Ben Jäger fotografiert seit drei Jahren ein verlassenes Haus in Homberg

Bilder aus der Bruchbude

Auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen: Vor sechs Jahren entdeckte Ben Jäger seine Leidenschaft für die Fotografie. Besondere Orte wie dieses leerstehende Haus ziehen ihn an. Durch den Sucher seiner Kamera dokumentiert er den Verfall. Foto: Schäfer

Homberg. Alte Fotos liegen auf dem Fußboden verstreut, daneben Briefe, Kleidung, zerfledderte Bücher und jede Menge Müll. Die Schrankwand in Eichenoptik liegt umgekippt auf dem Sofa, die alten, hellbraunen Sessel hat jemand mit dem Messer aufgeschlitzt. „Das Licht ist nicht so gut“, sagt Ben Jäger und steigt über das Gerümpel, um die roten Vorhänge aufzuziehen. Er schaut kurz in den Raum, klappt dann das Stativ auseinander und macht sich an die Arbeit.

2006 entdeckte der gelernte Bürokaufmann seine Leidenschaft für die Fotografie. Besonders faszinieren ihn ungewöhnliche, verlassene Orte. So wie das alte Backsteinhaus in Homberg. „Ein Bekannter hat mich vor drei Jahren darauf aufmerksam gemacht“, sagt Becker. Seitdem kommt er zwei- bis dreimal im Jahr her und macht Bilder.

„Ich merke jedes Mal, dass jemand im Haus gewesen ist.“

Ben Jäger

„So weit ich weiß, wohnt hier seit zehn Jahren niemand mehr“, sagt Jäger. Über die mit Schutt bedeckte Treppe steigt er in den Keller. Hier lagerten die Bewohner Eingemachtes. Ein paar Gläser mit Birnen sind noch ganz. Die anderen liegen zerbrochen vor dem umgekippten Regal. Der Boden ist übersäht von Glassplittern.

Durch die offenen Kellerfenster zieht ein eisiger Wind nach drinnen. Nur das Geräusch der auslösenden Kamera durchschneidet die Stille. Eine schwarze Katze streckt den Kopf hinein um nachzuschauen, wer zu Besuch gekommen ist.

Dass es im Haus nicht immer so ruhig ist, zeigt sich im ersten Stock. In dem Zimmer mit der demolierten Schrankwand liegen auch leere Bierflaschen. Vor einem der Sessel steht eine Keksdose, in ihr die Reste eines Lagerfeuers. „Ich merke jedes Mal, dass jemand im Haus gewesen ist“, sagt Jäger. Vorhänge seien zugezogen, Stühle zu einem Kreis zusammengestellt, neue Schmierereien an den Wänden.

Das barocke Muster der alten Tapete ist trotz der grellgrünen Farbe, die jemand darüber gesprüht hat, noch gut zu erkennen. „Wir haben euch alles geklaut“, hat jemand auf eine weiße Schranktür geschrieben. Eigentlich ist Jäger nur auf der Suche nach nach außergewöhnlichen Motiven, aber die Geschichte des Hauses interessiert ihn schon. „Ab und an schaue ich mir natürlich die Fotos an und werfe einen Blick auf die Briefe.“ Er hat bereits versucht herauszubekommen, was mit den Bewohnern passiert ist. Ohne Erfolg.

Jäger ist fertig. In jedem Raum hat er mindestens eine Aufnahme gemacht. Die Fotos sollen später auf seiner Facebook-Seite zu sehen sein, die er photo-diamonds genannt hat. „Vorher geht es an die Bildbearbeitung“, sagt er, klappt sein Stativ zusammen und geht die Treppe von der Haustür hinab in den Garten und weiter Richtung Straße. Die schwarze Katze, die bis zum Bauch im Schnee steht, schaut ihm nach.

Von Moritz Schäfer

Quelle: HNA

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