Digitalisierungsaktion des Landkreises holt fast vergessene Filmschätze ans Licht

Bilder lernen wieder laufen

Volker

kreis Kassel. „So schlecht sah ich damals gar nicht aus“, schmunzelt Volker Propach (72) und deutet auf den Monitor, wo ein sportlicher Mittdreißiger in Rollkragen und Cordhose mit seinen Kindern durch die Dünen tobt. Es sind Szenen aus einem der Schmalfilme, in denen die Familie Propach von 1972 bis in die 80er-Jahre hinein ihr Familienleben dokumentierte, bevor Videokameras sie ablösten.

So wie dem früheren Lehrer, der an der Gesamtschule Grebenstein und der ASS in Hofgeismar unterrichtete, geht es vielen Menschen, die früher Super-8-Filme drehten. Sie werden heute kaum noch angesehen, weil die Projektoren defekt oder verschwunden sind oder weil niemand die Technik mehr beherrscht.

„So schlecht sah ich damals gar nicht aus.“

Volker Propach, Super-8-Filmer

Deshalb hat das Medienzetrum des Landkreises Kassel (früher Kreisbildstelle) in Hofgeismar (Manteuffelstraße/Ecke Zum Sudheimer Kreuz) eine Digitalisierungsaktion gestartet. In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Film-Digital aus Wedemark bietet das Medienzentrum, in das vor Jahren die Wolfhager Kreisbildstelle eingegliedert wurde, den Bürgern eine kostengünstige Gelegenheit, alte Super-8-Filme auf DVD überspielen zu lassen, wodurch sie am Fernseher oder am PC zu sehen beziehungsweise auch weiterzubearbeiten sind.

Ganze Stapel von Filmen

In dieser Woche kamen und kommen durchschnittlich zwei Kunden pro Tag mit ganzen Stapeln von Filmdosen. Meist sind es Urlaubs- und Familienfilme, wie die von Volker Propach, der jetzt in Ahnatal wohnt. Er sieht mit Begeisterung zu, wie die von der Firma in die Technik eingewiesenen Mitarbeiter des Medienzentrums die Filme in Echtzeit überspielen, was deutlich länger dauert als modernes Dateienverschieben.

Firmengründerin Ulrike Schmidt und der Bild- und Tontechniker sowie Formel-1-Kameramann Karl-Heinz Wulff in Wedemark haben sich ihre neuentwickelte Technik patentieren lassen, bei der eine Video-Kamera und ein Spezialobjektiv zum Abfilmen der analogen Schmalfilme direkt in den Projektor eingbaut werden.

Beim Digitalisieren können die schlechteren Stellen weggelassen werden, der Rest wird gleich auf die DVD gebrannt. Hin und wieder muss ein Haar oder eine Staubflocke aus dem Filmfenster geblasen werden, sonst läuft alles reibungslos.

Eine LED-Lampe mit niedriger Leistung sorgt nach den Worten des Medienzentrum-Leiters, Hans Georg Trust, dafür, dass das Filmmaterial gleichmäßig durchleuchtet wird und keine Hitzeschäden auftreten können. Früher sind hängengebliebene Filme vor den heißen Lampen oft geschmolzen.

So kann sich Propach künftig viel öfter und einfacher wieder dabei beobachten, wie er durch die Dünen tobt, wie sein Fertighaus entsteht und wie die Kinder laufen lernen. Text unten, HINTERGRUND

Von Thomas Thiele

Quelle: HNA

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