Arbeitsheft über Malerei in der Zierenberger Kirche vorgestellt

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Stolz: Dr. Vera Leuschner stellte das neue Buch „Die Zierenberger Stadtkirche und ihre mittelalterlichen Wandmalereien“ vor, in dem auch ausführlich auf die überlebensgroße Gestalt des Mose (hinten) eingegangen wird.

Zierenberg. Über 300 Jahre waren sie unter weißer Tünche verborgen, bevor sie 1934 wiederentdeckt und freigelegt wurden: die mittelalterlichen Wandmalereien des 14. und 15. Jahrhunderts in der Zierenberger Stadtkirche.

Ihnen widmet sich nun ein Buch, das am Freitag im vollbesetzten Gotteshaus der Warmestadt vorgestellt wurde.

Das mit über 300 meist farbigen Abbildungen reich illustrierte Werk „Die Zierenberger Stadtkirche und ihre mittelalterlichen Wandmalereien“ ist als Arbeitsheft der Denkmalpflege erschienen und fasst die Ergebnisse einer Tagung zusammen, während der sich im Jahr 2006 namhafte Historiker und Theologen mit der Erforschung und Deutung der Bilder auseinandergesetzt hatten.

Ihr vorausgegangen waren ab 1997 Restaurierungsarbeiten, die der ehemalige Zierenberger Pfarrer Wilfried Wicke noch einmal in den Fokus rückte. Mit den Ergebnissen hatte das Redaktions- und Autorenteam um die Zierenberger Kunsthistorikerin Dr. Vera Leuschner bis zur finalen Veröffentlichung über fünf Jahre reichlich zu tun, dabei nie Motivation und Geduld verloren.

Kurzclip: Kunsthistorikerin Dr. Vera Leuschner

Engagement, das sich laut Pfarrerin Katja Friedrichs-Warnke gelohnt hat. „Uns liegt ein wunderbares Buch vor, das lehrreich und interessant ist, zudem zum Austausch und Nachdenken anregt.“ Ihr ausdrücklicher Dank galt auch dem Förderverein, ohne den die Realisierung des Projekts kaum möglich gewesen wäre. Worte, die Fördervereinsvorsitzenden Jürgen Wenzel freuten, der in seiner Einleitung die Frage stellte, ob ein solch teures Buch überhaupt nötig gewesen sei. Seine Antwort nur wenig überraschend: „Ja, denn bei den Malereien handelt es sich um ein überregional bedeutsames Erbe.“

Das wusste auch Prof. Dr. Martin Hein, Bischof der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, zu unterstreichen. Er setzte sich mit der großen Suggestionskraft der Bilder auseinander, die vermutlich im frühen 17. Jahrhundert im Zuge des Bildersturms unter Landgraf Moritz dem Gelehrten übermalt wurden. „Christen sind nie allein, sich dessen zu vergewissern, dazu dienen diese Bilder“, so das Kirchenoberhaupt. Allein deswegen sei es gut gewesen, sie nach 300 Jahren wieder freizulegen und sich in dem „wichtigen Buch“ mit deren Bedeutung auseinanderzusetzen.

Für Professor Dr. Gerd Weiß, Präsident der Denkmalpflege, ist das Buch nicht nur wichtig, er nimmt es gar als Anstoß, um die Wandmalerei in Hessen insgesamt zum Forschungsthema zu machen: „Für Zierenberg sind viele Fragen beantwortet worden, für andere Kirchen noch nicht.“

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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