„Bin ein echter Körler Esel“

Karin Werner will die Mundart erhalten - Dafür bekam sie den Axel-Herwig-Preis

Mit dem Esel vorm Rathaus: Karin Werner ist in Körle geboren und mit ihrem Heimatort eng verbunden. Bei der Mundart gebe es sogar feine Unterschiede zwischen den einzelnen Körler Ortsteilen, verrät sie. Foto: Féaux de Lacroix

Körle. Wenn die Körlerin Karin Werner mit Freunden schnuddelt, baut sie gerne mal Worte ein wie „Kespern" und „Storzenieren".

Wer in der Region aufgewachsen ist, weiß vermutlich noch, dass man so auf Platt Kirschen und Schwarzwurzeln bezeichnet. Aber zunehmend gehen die Platt-Kenntnisse verloren, sagt Werner - und das möchten sie und ihre Mitstreiter von der Gesellschaft für Nordhessische Mundarten verhindern.

„Wir haben eine ganze Liste von Begriffen, die wir gern vorm Aussterben bewahren möchten“, erzählt die 52-Jährige. „Ich finde es gut, die Tradition aufrecht zu erhalten. Aber viele Leute in meinem Alter sprechen schon kein Platt mehr, und die Kinder lernen es auch nicht.“ Das sei schade, findet Werner, denn: „Mundart macht mir einfach Spaß.“

Das Engagement der Körlerin für die Mundart ist jetzt ausgezeichnet worden: Beim Nordhessischen Mundarttag in Naumburg erhielt sie den Axel-Herwig-Preis. „Damit hatte ich absolut nicht gerechnet“, erzählt sie und strahlt.

Gedichte auf Platt 

Karin Werner war schon als Kind begeistert von der nordhessischen Mundart. Sie ist in Körle geboren - wie auch ihre Eltern und Großeltern: „Ich bin ein waschechter Körler Esel“, sagt sie über sich selbst. Oma und Opa schwätzten Platt mit der Enkelin - und so dauerte es nicht lang, bis Karin Werner mit zehn oder elf Jahren ihre ersten Gedichte in Mundart verfasste. Über ihren Großvater lernte Karin Werner auch dessen früheren Schulfreund, das Körler Mundart-Urgestein Wilhelm Pfeiffer kennen. „Ich weiß noch, dass ich ihn als Kind oft besucht habe und ihm meine Gedichte in Mundart vorgelesen habe. Darüber hat er sich immer sehr gefreut“, erinnert sie sich. Wilhelm Pfeiffer ist 1993 gestorben, aber Karin Werner verfasst bis heute Gedichte auf Platt. Sie lässt kleine Gedichtbände drucken, die sie dann an Freunde und Familie verschenkt. Auf diese Weise seien die Mundartgedichte auch schon in Kanada gelandet, erzählt sie - dort leben Verwandte von Werner.

Die Körlerin hofft, dass sie mehr Menschen für die nordhessische Mundart begeistern kann. Sie ist fasziniert von deren Vielfalt. „Es gibt sogar Unterschiede zwischen dem Platt, das in den verschiedenen Körler Ortsteilen gesprochen wird“, verrät sie. „Aber das sind ganz feine Nuancen.“

Bei ihrem Arbeitgeber B. Braun spricht Werner zwar nur hochdeutsch. Aber in der Freizeit schwätzt sie gerne Platt, ob mit Patentante und -onkel oder mit ihrem Freund - der kommt zwar aus Nordrheinwestfalen, versteht die nordhessische Mundart aber zum Glück. Schließlich könne man manche Dinge nur auf Platt sagen. Werner nennt ein Beispiel:: „Där hot’n Deiwel sähn borwess löfen.’ Übersetzt heißt das: ‘Der hat den Teufel barfuß laufen sehen“, gemeint ist aber ‘über die Stränge schlagen’. Im Hochdeutschen gibt es diese Formulierung nicht.“

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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