Werner Schmidt schließt sein Geschäft in der Bahnhofstraße und geht in Ruhestand

Bindung über Buchkauf hinaus

Geschäftsaufgabe: Werner Schmidt (64) wird seine Buchhandlung nach fast 40 Jahren schließen. Leerstand soll es in der Treysaer Bahnhofstraße aber nicht geben. Foto: Rose

Von Sandra Rose

Treysa. „Irgendwann ist Schluss“, sagt Werner Schmidt (64) und schaut sich nicht ganz ohne einen Tropfen Wehmut in seiner Buchhandlung in der Treysaer Bahnhofstraße um. Der Frankenhainer geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Ich und meine Frau möchten noch reisen und uns an den Enkelkindern erfreuen.“ Fast 40 Jahre gehörte Schmidt zu Schwalmstadts Gewerbetreibenden, hat sich in der Stadt einen guten Namen gemacht. „Täglich kommen Menschen ins Geschäft und wünschen mir für den Ruhestand alles Gute – da muss ich wohl in all den Jahren wohl doch einiges richtig gemacht haben“, sagt er.

Anfang in der Steingasse

Ursprünglich fand sich die Buchhandlung in der Steingasse, gegenüber dem heutigen Arbeitsamt. 1978 übernahm Schmidt dort das Fachgeschäft Schreibwaren Plag. In den 1980er-Jahren blühte die Bahnhofstraße auf. „Es war extrem schwierig, dort ein leeres Geschäft zu finden“, erzählt der 64-Jährige. Mit Glück gelang das 1986 neben dem früheren Sportladen. Das Fachwerkhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite kaufte die Familie Schmidt 1991, sanierte es und zog mit dem Laden dorthin um.

Stetige Erweiterung

„Wir haben uns von anfangs 50 auf 70 und schließlich 180 Quadratmeter erweitert“, erklärt der Frankenhainer. Ergänzt wurde das Sortiment dann um Bildeinrahmungen. Ein Service, den die Schwälmer zu schätzen wussten. Neben Schreibwaren und Büchern lief dieses Segment besonders gut. Ende der 1990er-Jahre betrieb Schmidt eine Filiale im Treysaer tegut-Markt. Zusätzlich nahm Schmidt in der Bahnhofstraße Edle Tropfen – eine reiche Auswahl an Likören – in sein Sortiment auf und bereicherte damit zum Teil auch die Weihnachtsmärkte in der Schwalm. Entwickelt haben sich in den Jahrzehnten viele Bindungen, „übers Kaufen hinaus“.

Mit Beratung punkten

Sicher, junge Leute bestellten heute überwiegend im Internet. Aber für Kunden mittleren Alters und ältere Leute sei das persönliche Gespräch und die Beratung immer noch wichtig, resümiert Schmidt. „So ein Geschäft hat auch einen familientherapeutischen Aspekt“, sagt er. Aktuell führt die Familie Schmidt Gespräche mit Interessenten, die die Fläche für andere Warengruppen, aber weiter als Ladenfläche nutzen wollen. „Es soll auf keinen Fall Leerstand geben“, erklärt der 64-Jährige. Noch bis Weihnachten wird Werner Schmidt selbst im Laden stehen, sein Sortiment nach und nach mit Prozenten versehen, abverkaufen. „Es war eine schöne Zeit“, sagt er. Und manches Gespräch mit treuen Kunden werde er sicher vermissen.

Quelle: HNA

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