Bislang keine rechtsextremen Übergriffe auf Flüchtlingsheime der Region

Wolfhager Land. Mehrfach ist es aktuell vor Notquartieren für Flüchtlinge in Heidenau (Sachsen) und Nauen (Brandenburg) zu Übergriffen gekommen.

Die Zahl der rechtsextrem motivierten Taten in Deutschland nimmt dramatisch zu. In sozialen Netzwerken und Blogs wird offen zur Gewalt gegen Asylbewerber aufgerufen. Wir fragten, wie sich die Situation im Landkreis Kassel darstellt, wo bis zum Jahresende 3000 Flüchtlinge leben, und wie deren Schutz sichergestellt werden kann.

„In unseren größten Gemeinschaftseinrichtungen in Wolfhagen und Fuldatal-Ihringshausen haben wir einen Sicherheitsdienst engagiert“, erklärt die Vizelandrätin des Kreises Kassel, Susanne Selbert (SPOD) , auf HNA-Anfrage. In allen anderen Einrichtungen habe man weniger als 50 Asylbewerber. „Gottseidank hat es bisher weder einen Anschlag noch Hinweise darauf gegeben. Während ich das sage, klopfe ich auf Holz“, so Selbert. Es gehe bisher im Landkreis sehr friedlich zu.

Dies bestätigt auch die Polizei: „Es gibt hier keine fremdenfeindlichen Angriffe auf Flüchtlingsheime“, sagt Torsten Werner vom Polizeipräsidium Kassel. Man sei in der Region glücklicherweise bisher verschont worden.

Für eine positive Außenwirkung und Stimmung in der Bevölkerung sorge die weitgehend friedliche Atmosphäre in den Einrichtungen. Das liege unter anderem an einemguten Betreuungsschlüssel, meint Selbert. „Auf 50 bis 60 Flüchtlinge kommt ein Betreuer.“ Dies sei hessenweit spitze. Dadurch könnten Konflikte intern frühzeitig erkannt und ausgeräumt werden. Zusätzlich sorgten allerorten Unterstützerkreise für ein gutes Miteinander innerhalb der Bevölkerung. „Wenn wir irgendwo eine Unterkunft aufmachen, stehen sofort Engagierte bereit, wie jetzt in Holzhausen.“

Aufgrund der aktuellen Ereignisse wird es in Wolfhagen am 17. September eine Mahnwache vor dem Gemeindezentrum geben. Ab 19 Uhr rufen Kirchen, die Stadt und engagierte Bürger zur Solidarität mit den Flüchtlingen auf.

Unterdessen wird im Kreis weiterhin fieberhaft nach neuen Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge gesucht. „Wir sind täglich damit beschäftigt, weiteren Wohnraum zu rekrutieren“, erklärt Selbert. Sie denkt nicht, dass es soweit kommen könnte, dass beispielsweise kreiseigene Sporthallen, Dorfgemeinschaftshäuser zweckentfremdet oder Zelte wie in Calden aufgebaut werden müssten. „Wir haben derzeit genug in petto“. So gebe es in den ehemaligen Kasernen wie der Erler-Anlage noch weitere Optionen und auch in Bad Karlshafen. „Fakt ist leider: Die Objekte, in denen wenig umgebaut werden muss, sind vom Markt.“

Quelle: HNA

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