Orchester aus Bratislava begeisterte in der HWK II

Blick in Abgründe

Im Mittelpunkt: Der Cellist Orfeo Mandozzi. Um eine Solo-Zugabe, eine Sarabande von Bach, kam er nicht herum. Foto: Auerbach

Bad Zwesten. „Musik als völkerverbindende Sprache“ lautete das Motto des Dirigenten Volker Schmidt-Gertenbach für das Konzert in Bad Zwesten. Aus 200 Jahren Musikgeschichte ließ er die Klangsprache von Dmitri Schostakowitsch (1906 bis 1975), Joseph Haydn (1732 bis 1809), Ottorino Resphigi (1879 bis 1936) und Wolfgang A. Mozart (1756 bis 1791) ertönen.

Zu hören war das sehr beweglich agierende, brillant musizierende 18-köpfige Kammerorchester Cappella Istropolitano aus der slowakischen Hauptstadt Bratislava. In Schostakowitschs bedrückender c-Moll-Kammersinfonie op. 110a blickten die Hörer in einen düsteren Abgrund des Schreckens. Vierzehn Streicher spielten äußerst empfindsam, aber auch sehr eindringlich die zu Musik gewordenen Gefühle des Komponisten in den ineinander übergehenden Sätzen.

Dankbar nahm das Publikum die vorausgehenden Erklärungen des Dirigenten und die Klangbeispiele zu dem schwierigen Stück entgegen. Unter dem Eindruck der zerstörten Stadt Dresden schrieb Schostakowitsch 1960 ein Streichquartett und widmete es den Opfern von Faschismus und Krieg. Der russische Dirigent Rudolf Barshai (1924) bearbeitete die Komposition zur Kammersinfonie.

Auf das Trauerstück konnte mit dem berühmten C-Dur Cellokonzert Hob. VII b:1 (1762-1765) von Haydn wohl kein größerer Kontrast folgen. Ein Werk, das Wärme und erfrischende musikalische Ideen ausstrahlt. Zwei Oboen und zwei Hörner unterstützten die Streicher. Als Solist nahm Orfeo Mandozzi das von Francesco Ruggeri 1675 in Cremona gefertigte Violoncello zwischen die Knie. Und wie er sein Instrument mit Passion auf vier Saiten nuanciert sprechen und singen ließ, das war große Klasse.

Dann unternahm Schmidt-Gertenbach mit „Antike Tänze und Arien, 3. Suite“ einen Ausflug in die Klangwelt des Italieners Respighi. Der Komponist bearbeitete 1931 vier Lautensätze des 16. und 17. Jahrhunderts und fügte den barocken Melodien eigene Einfällen bei. Von den Streichern wunderbar warm vorgetragen, ertönten die Stücke in neuen Gewändern. Um den klangsprachlichen Exkurs abzurunden, durfte die Sinfonie Nr. 29 A-Dur KV 201, ein Werk des erst 18-jährigen Mozarts, wohl nicht fehlen. Höchst wirkungsvoll geleitet, entfaltete das kleine Orchester eine fein abgestufte Klangfülle. Das Publikum dankte mit langem Applaus.

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

Kommentare