Blick hinter die Kulissen im sanierten Hochbehälter

Im Rohrkeller: Hier kann Breunas Wassermeister Thorsten Fischer bei Bedarf per Schieber die Wasserzufuhr stoppen. Fotos:  Binienda-Beer

Wettesingen. Gut zwei Jahre dauerte die Sanierung des Wettesinger Hochbehälters. Jetzt konnte sich die Bevölkerung bei der Einweihung ein Bild davon machen, wo ihr Wasser herkommt.

Ob zum Zähneputzen oder Kaffee kochen, zum puren Trinken oder Duschen: Ein kleiner Handgriff genügt, und frisches Wasser sprudelt zuverlässig aus der Leitung. Dass das einen beachtlichen Weg zurückgelegt hat von der Quelle bis in den Haushalt, kommt den wenigsten Verbrauchern bei der täglichen Nutzung in den Sinn. Gelegenheit, mal hinter die Kulissen zu blicken, bot am Freitagabend in Wettesingen die offizielle Wiedereinweihung des von Grund auf erneuerten und ausnahmsweise geöffneten Hochbehälters.

Die Hülle: Die Jahreszahl 1966 oben an der Fassade erinnert an die Inbetriebnahme des Hochbehälters. Im Gespräch Ingenieur Christoph Fischer, Bauamtsleiter Ralf Hartmann und Wassermeister Thorsten Fischer.

Das Herzstück der örtlichen Wasserversorgung thront hoch über der Ortslage am Waldrand „auf den Hängen“. Ein unscheinbarer grau-weißer Klotz. Oben an der renovierten Fassade weist eine Jahreszahl auf seine erste Inbetriebnahme: 1966. Fast 50 Jahre später tat die Sanierung von Hochbehälter und Tiefbrunnen dringend Not. Mehr als 700 000 Euro ließ sich die Gemeinde Breuna die neue Wassertechnik für Wettesingen kosten, wie Bürgermeister Klaus-Dieter Henkelmann sagte.

Rohre, Elektrotechnik, Mess- und Regeltechnik - alles neu im Keller des auch äußerlich auf Vordermann gebrachten Hochbehälters. Die Besucher, die sich von Wassermeister Thorsten Fischer und Bauingenieur Christoph Fischer (Ingenieurbüro GUV Kassel) die Technik erklären lassen, schauen genau hin. Nur Wasser, das finden sie überraschenderweise kaum.

Zeit der Fliesen ist vorbei 

Vom Rohrkeller führt eine Stahltreppe aufwärts, doch wieder kein Hauch von Hallenbad. Nur ein Fenster erlaubt den Blick unmittelbar ins Reservoir - Finsternis. Die Zeit der Fliesen an den Speicherkammerwänden ist vorbei. Genau dort hatte ein Großteil der Probleme gelauert: Das ausgedehnte Fugennetz war so porös geworden, dass Wasser hinter die Kacheln gelangen und dort stehen bleiben konnte. Verkeimung drohte. Dunkelgrauer mineralischer Mörtel, frei von jeglichem organischen Anteil, hat die Fliesen ersetzt. „Nicht hübsch“, räumte Dipl.-Ing. Fischer ein, „aber nichts ist hygienischer“. Zwei Jahre dauerte die Verjüngungskur. Heute erinnert in dem Zweckbau nichts mehr an die wegen eingedrungener Feuchtigkeit spakigen grünen Wände und den herabfallenden Putz.

Parallel zu den Arbeiten am und im Hochbehälter lief die ebenfalls umfangreiche Sanierung des Tiefbrunnens. „Für die nächsten 40 bis 50 Jahre ist alles gut“, versicherte der Wasserbauingenieur den Wettesingern. Für sie bleibt ein kleiner Wermutstropfen, wie ein Bürger gestand: die Wasserhärte von 22 Grad. Der können die Privathaushalte nur mit eigener Investition in eine Entkalkungsanlage begegnen. Die Experten wussten zu trösten: Kalkhaltiges Trinkwasser ist nun mal auch reich an weiteren Mineralien.

Von Dorina Binienda-Beer

Quelle: HNA

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