Kunstblumenfabrik und ehemalige Weberei öffneten Besuchern ihre Pforten

Blick zurück in Wehmut

Altes Handwerk: Zum Tag der Industriekultur öffneten die ehemalige Kunstblumenfabrik Lumpe und die Brokatweberei Egelkraut. Dabei zeigte Helmut Egelkraut (Foto links, rechts) Bruno Binder-Köllhofer wie die Stoffe an den Webstühlen entstehen. In der Kunstblumenfabrik Lumpe betrachtete Gabi Käufler (Foto rechts) die Einzelstücke einer Kunstblume. Fotos: Haaß

Trutzhain. Die lokale Industriegeschichte hautnahe erleben, das war am vergangenen Sonntag in Trutzhain möglich. Unter dem Motto „Fortschritt – Produktion im Wandel“ öffnete die ehemalige Kunstblumenfabrik Lumpe und die Weberei Egelkraut die Werkstore und gewährten Einblick in Vergangenheit – aber auch Zukunft.

Zahlreiche Besucher nutzen den Tag der Industriekultur und machten einen Abstecher in Schwalmstadts jüngsten Ortsteil. Sowohl die Kunstblumenfabrik wie auch die Weberei faszinierte die zahlreichen Besucher.

Historische Stätte

Die seit Ende 2003 stillgelegte Kunstblumenfabrik Lumpe regte die Teilnehmer zur Diskussion über den Erhalt historischer Stätten an. Man habe das Gefühl, eine Zeitreise zu machen, stellte ein Besucher fest. Alles im Gebäude ist bis heute unverändert. Maschinen, Stoffe, Modelle, Stechuhr und natürlich viele Kunstblumen in allen Farben und Formen gab es während des Rundgangs zu entdecken. Renate Hutsche führte durch ihre ehemalige Arbeitsstätte und wusste so manche Geschichte zu erzählen.

Wohl zum letzten Mal hatten am Sonntag Außenstehende die Möglichkeit den Trutzhainer Betrieb zu besuchen. Denn mit dem geplanten Verkauf des Gebäudes wird wohl auch die einzigartige Atmosphäre der Kunstblumenfabrik verschwinden.

Ein Umstand, der von vielen Besuchern sichtlich bedauert wurde. „Schade, dass solche Dinge verloren gehen“, sagte Klaus Ackermann aus Edermünde und betrachtetet nachdenklich die alten Produktionsmaschinen.

Auch beim zweiten am Sonntag geöffneten Betrieb sind die Tage in Trutzhain gezählt. Udo van der Kolk, Inhaber der „Historischen Weberei Egelkraut“, muss nach eigener Aussage die Betriebsstätte verlagern. Er plant nach eigenen Aussagen den Umzug nach Berndshausen.

Noch einmal führten van der Kolk und Vorbesitzer Helmut Egelkraut die Besucher durch die Weberei und begeisterten mit allerlei historischen und technischen Anekdoten. Auch wenn die Weberei Egelkraut den Eindruck eines Technikmuseums erweckte, arbeiten in den Betrieb nach wie vor Menschen.

Mit großem Interesse ließen sich die Teilnehmer der Führung in die Geheimnisse des Webens einweihen. Und dabei durften sie sogar ein Stück Goldfaden in die Hand nehmen.

Von Matthias Haass

Quelle: HNA

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