Ihm blieb nur die Beratung

Zu starke Konkurrenz aus dem Internet - Radsport Bock in Borken schließt

Damit ist es nun bald vorbei: Volker Nitsche gibt seinen Radladen in Borken auf. Foto: Thiery

Borken. Beratung im Einzelhandel vor Ort und dann der günstige Kauf im Internet: Dieses Kaufverhalten hat sich Volker Nitsche vom Radhaus Bock in Borken lange genug angeschaut. Der Trend nimmt zu, meint er und zieht die Konsequenzen. Ende September schließt er sein Geschäft in der Borkener Bahnhofstraße.

Der 47-Jährige sagt, er habe sich in dem Laden aufgerieben, um seine Kunden zufriedenzustellen und dabei seine Gesundheit aufs Spiel gesetzt. Er ärgert sich über das veränderte Kaufverhalten. „Die Kunden lassen sich von mir ausgiebig beraten und kaufen dann das gleiche Rad im Netz, wo es günstiger zu haben ist. Das ist nicht fair“, sagt er.

Das alles sei Wettbewerbsverzerrung. „Die Leistung wird auf den Kaufpreis hin verglichen, nicht auf den Gesamtpreis.“ Er habe zum Beispiel immer beim Verkauf eines Rades die Montage kostenlos angeboten - die Beratung sowieso.

Der Gipfel sei es aber, wenn ihm die im Internet gekauften Räder in den Laden gebracht würden. Die solle er dann montieren und fahrbereit machen. „Ich darf dann letzlich nur noch ein paar Ersatzteile verkaufen“, sagt Nitsche und ist sichtlich frustriert über diese Art des Umgangs.

Sein Geschäft lebe schließlich vom Verkauf der Räder und nicht von den Reparaturen - Beratung und Werkstattarbeit brächten nicht viel Geld ein.

Nitsche fühlt sich ausgenutzt. Räder brauchen Pflege und Wartung, betont er. „Alles was dann mit Problemen zu tun hat, bleibt bei mir hängen.“ Der Geschäftsmann unterstreicht aber, dass dies nicht für alle Kunden gelte. Er glaubt, dass dies etwa 20 Prozent betreffe. „Ich habe immer mit vollem Elan und einem hohen Anspruch meinen Laden betrieben“, sagt er. Er habe die Bedürfnisse der Kunden immer in den Vordergrund gestellt und dadurch eine hohe Arbeitsbelastung erfahren.

In der Folge habe er im vergangenen Jahr ernsthafte Probleme mit der Wirbelsäule bekommen, die ihn nun zwinge, kürzer zu treten. Er habe oft 70 Stunden in der Woche gearbeitet.

Das alles führte zu solch großem Frust, dass Volker Nitsche nun das Handtuch wirft, obwohl er immer noch sagt: „Fahrräder sind mein Leben.“ Schon als Kind habe er in Grebenstein, seinem Heimatort, Räder in seiner Garage repariert. Später lernte er Kfz-Mechaniker und Einzelhandelskaufmann und erwarb die Zusatzqualifikation Zweirad-Mechanikermeister. Nitsche hatte das Geschäft 2001 übernommen, und sich den Traum vom eigenen Laden erfüllt. Damals war Radsport Bock gerade 100 Jahre alt geworden und wurde in der dritten Generation geführt.

Nun kommt das endgültige Aus - wenn sich nicht noch plötzlich ein Nachfolger findet. Nitsche hat drei Angestellte beschäftigt, die sich dann auch neu orientieren müssen.

Die Geschichte von Volker Nitsche ist kein Einzelfall: Susanne Johannsmann vom Radhaus in Melsungen hat es auch schon oft erlebt, dass sich Kunden beraten lassen und das Rad dann nicht bei ihr kaufen. „Wo sie die Räder dann kaufen, kann ich nicht beurteilen, bestimmt auch im Internet“, meint sie. Beratung gehöre allerdings zu dem Job dazu, sagt sie. Das sei das normale Risiko im Einzelhandel. Man könne sie schließlich nicht extra berechnen. Sie glaubt, dass ein größerer Teil der Kunden neuerdings vor allem das Radzubehör im Netz kauft. Die Preise seien gut vergleichbar.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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