Jenny Müller soll Strom für über 3200 Euro verbraucht haben

Mörshausen. Sie hatte noch nie Ärger mit ihrem Stromanbieter, sagt Jenny Müller. Das ist jetzt anders: 3203,91 Euro soll die 65-Jährige an Eon Mitte zahlen - andernfalls wird in ihrer Wohnung der Strom abgestellt. Und das, obwohl sie auf ein elektronisch betriebenes Sauerstoffgerät angewiesen ist.

Denn Jenny Müller leidet an der chronischen Lungenerkrankung COPD. Das Atmen fällt ihr schwer, sie benötigt zusätzlichen Sauerstoff, um ausreichend Luft zu holen. Mit einem langen Schlauch ist sie mit dem Gerät, das in ihrem Wohnzimmer steht, verbunden. „Wenn mir der Strom abgestellt wird und ich dann keinen Sauerstoff mehr bekomme, bleibt mir die Luft weg. Dann laufe ich blau an und es kann Schlimmeres passieren“, sagt sie. Das habe sie dem Energieversorger mitgeteilt. Drei ärztliche Atteste habe sie an Eon geschickt. Doch habe das Unternehmen bislang nicht darauf reagiert.

Hinzu kommt, dass sich Jenny Müller zwar sicher ist, Strom verbraucht zu haben, aber nicht in dieser großen Menge. Schließlich wohne sie erst seit Mai 2011 in dem Haus in der Bresslauer Straße in Mörshausen. „Das würde bedeuten, dass ich in anderthalb Jahren über 3200 Euro Strom verbraucht habe. Das sind monatlich rund 170 Euro. Dabei lebe ich hier alleine und habe oft den Holzofen an“, sagt sie. „Das stimmt doch was nicht, mich bringt das zur Verzweiflung.“

Seit Jahren habe sie regelmäßig eine Abschlagszahlung von 60 Euro an Eon gezahlt. Damit sei sie auch immer gut ausgekommen. „Ich hatte nie große Nachzahlungen und bin meinen Verpflichtungen nachgekommen, doch das übersteigt jetzt meine Möglichkeiten bei Weitem“, sagt sie. Anfangs habe sie an einen Irrtum geglaubt.

Die erste Rechnung sei ihr Anfang des Jahres ins Haus geflattert. Darauf habe sie erstmal nicht reagiert. „Ich dachte das ist nicht meine Post“, sagt sie. Dann folgten weitere Briefe und höhere Rechnungssummen.

Mittlerweile sehe sie keinen Ausweg mehr und befürchte, dass es täglich soweit sein könnte und ein Mitarbeiter von Eon an ihrer Tür klingelt, um den Strom abzuklemmen. „Ich kann nachts schon nicht mehr schlafen“, sagt sie. Überhaupt überfordere sie der Schriftverkehr mit dem Energiekonzern. „Ich verstehe das alles nicht so gut“, sagt sie und greift nach einem Stapel Papier bestehend aus Rechnungen, Attesten und ihren Schreiben an Eon. „So ein Ärger“, sagt sie und ringt nach Luft.

Das sagt die Eon:

Eon reagierte prompt auf die Anfrage der HNA: „Die Leistung unseres ServiceCenters war in diesem Fall nicht akzeptabel und entspricht nicht dem Niveau, das normalerweise für unsere Aktivitäten maßgeblich ist,“ teilt Pressesprecher René Schneider mit. Das Unternehmen bedauere den entstandenen Ärger und die Verunsicherung sehr und betonte, dass es keinesfalls die Stromversorgung unterbrechen werde“, sagte Schneider. Und er geht noch einen Schritt weiter: Eon werde die Jahresrechnung korrigieren und alle angefallenen Mahngebühren stornieren. Zusätzlich werde das Unternehmen 100 Euro vom Nachzahlungsbetrag abziehen - als Entschädigung für die Unannehmlichkeiten. (bra)

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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