Volkskrankheit Kopfschmerzen: Jeder vierte Deutsche leidet an Migräne

Blitzlichtgewitter im Kopf

Quälender Schmerz: Bei einem Migräneanfall entstehen ein klopfender, pulsierender Schmerz. Foto:  dpa

Schwalm-Eder. „Ich hab heut’ keine Lust, ich hab Migräne.“ Was oft als Ausrede für alles Mögliche verwendet wird, ist in Wirklichkeit für Menschen, die unter Migräne leiden, eine Qual. Nicht selten werden die Betroffenen von einer Migräneattacke aus dem Alltag gerissen.

Plötzlich geht nichts mehr, starke Kopfschmerzen bestimmen den Tag. So beschreibt es Juliane Meisheit aus Kassel. Die 32-Jährige leidet seit der Pubertät unter starken Kopfschmerzen, die einmal im Monat für mehrere Tage auftreten. Wenn sie eine Migräne beim Arbeiten bekäme, müsste sie sich heimbringen lassen, denn selbst Autofahren ist dann nicht mehr möglich. „Alles, was man dann möchte, ist irgendwie ins Bett zu kommen, Rollos runter und liegen“, berichtete sie.

Schmerztherapie in Klinik

Seit einer Schmerztherapie im Krankenhaus kann sie beginnende Migräneattacken von zusätzlichen Spannungskopfschmerzen besser unterscheiden. „Spannungskopfschmerzen sind wie ein Helm auf dem Kopf.“ Bei Migräne sei der Schmerz eher klopfend und pulsierend, trete meist einseitig und sitze vornehmlich in der Region hinter den Augen. Dazu käme Licht- und Geräuschempfindlichkeit sowie Übelkeit.

Die Auslöser der Attacken sind so vielfältig wie die Ausprägung der anfallsartig auftretenden Marter. „Bei manchen reicht ein Duft“, weiß Rita Günther. Die Pharmazeutisch-Technische Assistentin aus Baunatal gründete vor sieben Jahren eine Selbsthilfegruppe mit der Deutschen Migräne Liga und kennt Arten und Auslöser der Migräne aus Gesprächen mit Betroffenen.

Bei manchen beginne die Migräne mit neurologischen Symptomen, wie Lähmungen der Gesichtsmuskeln oder Wahrnehmungsstörungen, bei anderen mit Kopfschmerzen. Migräniker hätten oft ein höheres Wahrnehmungsvermögen als andere Menschen, sie seien empfindlicher für Reize wie Gerüche, Geräusche oder Licht. Im Gehirn werden dann messbare biochemische Prozesse ausgelöst, die für die Kopfschmerzen verantwortlich gemacht werden.

Nach ärztlichen Untersuchung unter anderem mit Hilfe der Computertomographie (CT) und der Magnetresonanztomographie (MRT), kann eine Behandlung mit Medikamenten probiert werden. Eingesetzt werden je nach Art und Schwere, Schmerzmittel, Entzündungshemmer, Triptane, Antidepressiva, Betablocker und Antiepileptika. Auch Magnesium und Vitamin B2 in hoher Dosierung helfen, erklärte Günther.

Mit der Biofeedback-Methode lernen die Patienten ihre Nacken- und Schultermuskulatur gezielt zu entspannen. Physiotherapie, Rückengymnastik und Reizstromtherapie werden auch eingesetzt. Hausmittel wie Bitter Lemon und Espresso mit Zitronensaft sollen ebenso helfen. Vorbeugend wirke ein regelmäßiger Tagesablauf, Entspannungsübungen und Ausdauersport, sagte Günther. Alkohol sei meist tabu.

„Ein Migräneanfall ist eine Art Schutzfunktion des Körpers.“ Bei zu viel Stress setze man sich selbst außer Gefecht.

Quelle: HNA

Kommentare