Bloß nicht zu viel Wirbel: Lisa Döhrer feiert 100. Geburtstag

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Lisa Döhrer (Mitte) mit ihren Töchtern Ilsabe Heymell (links) und Doris Lohr.

Falkenberg. Lisa Döhrer wird heute 100 Jahre alt. Auf großen Wirbel möchte sie aber lieber verzichten: „Das ist alles gar nicht so interessant“, findet sie. Ilsabe Heymell sieht das anders: „Meine Mutter hat in ihrem Leben viel geleistet“, sagt sie.

Lisa Döhrer wohnt mit ihr auf einem Hof in Falkenberg. Vom bewegten Leben der Hundertjährigen erzählt die Tochter indes lieber, als sie selbst. Sie zieht es vor, sich an die etwas jüngere Vergangenheit zu erinnern: „Ach, das Sticken, das war meine ganze Seligkeit.“ Schwälmer Stickereien haben es ihr angetan.

In der Wohnung und im Haus ihrer Tochter liegen überall Tischdecken verteilt. Die jüngste stammt allerdings von 1998, da hat Lisa Döhrer zuletzt gestickt. Wenn sie gemütlich in ihrem Sessel sitzt, betrachtet sie aber gerne ein Bild von früher: Es zeigt die Kirche, in der sie getauft wurde. Das war in Lohne in Sachsen-Anhalt. Dort ist sie aufgewachsen. Sie hat das Bild zur Hochzeit mit Georg geschenkt bekommen. Von ihm erzählt sie dann doch gern.

Georg war der Bruder einer guten Freundin, mit der sie ein halbes Jahr lang zur Höheren Töchterschule in Thüringen ging: „Es war Liebe auf den ersten Blick.“ 1932 heirateten sie, bekamen drei Kinder: Doris, Ilsabe und Eike. Georg musste beim Reichsnährstand arbeiten und wurde immer wieder versetzt: Die Familie lebte in Stadtroda in Thüringen, in Lübeck-Blankensee in Schleswig-Holstein und in Kassel.

Flucht in den Westen

Nach dem Krieg zogen sie zu Lisa Döhrers Mutter auf den Hof in Sachsen-Anhalt zurück, erzählt Ilsabe: „Aber er wurde nach Ende des Zweiten Weltkrieges von den Kommunisten enteignet.“ Also flüchteten Vater Georg und Tochter Doris 1946 in den Westen. Es ging nach Frielendorf, wo Georg herstammte. Der Rest der Familie sollte kurz darauf folgen.

Als es ein Jahr später so weit war, gab es tragischerweise aber kein Wiedersehen mit Vater und Ehemann: Er war an einer Angina verstorben. „Meine Mutter war aber nie unzufrieden mit ihrem Leben, meisterte es mit Hilfe von Verwandten“, sagt Ilsabe. Lisa Döhrer lächelt und nickt.

Wichtiger Zusammenhalt

Zusammenhalt sei ihr immer wichtig gewesen. Stolz zählt sie auf: „Ich habe neun Enkel und 15 Urenkel.“ Und die werden am Donnerstag sogar aus Berlin, München und Rom anreisen, um mit ihr zu feiern. So ganz wird sich Lisa Döhrer dem Wirbel um ihre Person also doch nicht entziehen können.

Von Nora Sonnabend

Quelle: HNA

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