Kreuz in Dorla zeugt wahrscheinlich von einer Fehde vor über 500 Jahren

Die Bluttat am Mordstein - Fehde vor über 500 Jahren

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Geschah dort vor Jahrhunderten vielleicht eine Bluttat? Armin Wackerbarth am Steinkreuz am Rand von Dorla.

Dorla. Das kleine steinerne Kreuz steht neben der Autobahn am Rande von Dorla. Was lange Zeit unter Dickicht und Gartenabfällen begraben und fast schon in Vergessenheit geraten war, wurde durch den Heimat- und Geschichtsverein wieder ans Licht gebracht.

Das Steinkreuz zeugt wahrscheinlich von einer Bluttat, die vor etwa fünf Jahrhunderten geschah, vermuten Franz Lämmer und Armin Wackerbarth vom Heimat- und Geschichtsverein. „Art und Standort des Kreuzes an einer Straße, deuten darauf hin, dass dies ein Sühnekreuz oder Mordstein ist“, sagt Lämmer.

„Diese Steine wurden errichtet, um eine Blutrache unter Adligen zu verhindern.“ Damit jeder das Monument sehen konnte, stellte man es an eine Straße.

Im Mittelalter lag Dorla an einer wichtigen Verbindung zwischen Norden und Süden: der alten Frankfurter Straße von Hamburg nach Basel. Dort herrschte im 15. Jahrhundert Ludwig der Friedfertige. So friedfertig dieser auch war, er konnte nicht verhindern, dass einige seiner Ritter eine blutige Fehde begannen.

Es herrschte Krieg zwischen den Rittern von Züschen und Elben. Im Jahre 1454 überfielen die Züschener mehrmals das Dorf Elben. Als sich die Elbener zum Gegenangriff in der Nähe von Züschen sammelten, wurden sie entdeckt und an Johann von Meisenburg, Ritter von Züschen, verraten. Dieser nutzte die Chance, um die Angreifer zu überraschen und in die Flucht zu schlagen.

Bei Dorla wurden sie von ihren Verfolgern eingeholt. Heinrich Schenk zu Schweinberg und Hans von Born wurden von den Züschener Rittern getötet, und Heinrich von Grifte entkam nur knapp demselben Schicksal. An der Stelle, wo heute das Kreuz steht, könnte die Bluttat geschehen sein. Wenn der Stein tatsächlich mit der alten Fehde in Verbindung steht, dann müssen ihn die Ritter von Züschen errichtet haben. Mit einem solchen Symbol konnte man die Tat sühnen und die Blutrache abwenden.

Kreuz ohne Inschrift

„Leider ist der Zusammenhang nicht gesichert“, erklärt Lämmer. Auf dem Stein ist keine Inschrift zu finden, so dass man das Sühnekreuz nicht eindeutig zuordnen kann.

Der grob behauene Stein in Form eines Kreuzes ist gut einen Meter hoch, knapp 30 Zentimeter dick und aus rotem Sandstein. Das Steinkreuz hat einen breiten runden Kopf und kurze, runde Arme. Vor drei Jahren war noch alles überwuchert. Der Heimat- und Geschichtsverein Dorla nutzte die Dorferneuerung, um dem alten Kreuz neuen Glanz zu verleihen.

Mitarbeiter der Stadt räumten im Herbst 2010 richtig auf. Gestrüpp, Abfälle und Bäume wurden entfernt. Sie hoben das Kreuz vorsichtig mit einem Bagger aus der Erde und befreiten es von Moos und Flechten. Schließlich wurde es neu befestigt und gepflastert.

Eine Bank lädt zum Verweilen ein und eine neu aufgestellte Informationstafel gibt Auskunft über die mögliche Herkunft.

Quelle: HNA

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