Walter Bächt (89) aus Todenhausen berichtet seit 60 Jahren für die Agrarstatistik

Mit dem Boden verbunden

Landwirt mit Leib und Seele: Der 89-jährige Walter Bächt aus Todenhausen dokumentiert seit sechs Jahrzehnten monatlich viele Daten rund um seinen Betrieb. Foto: Rose

Todenhausen. Walter Bächt ist Landwirt mit Leib und Seele. Das merken nicht nur die Kühe, die auf die Stimme des 89-Jährigen besonders gut hören. „Ich bin mit dem Boden verbunden“, sagt der Todenhäuser. Und das glaubt man ihm aufs Wort. Kein Tag vergeht, an dem Bächt nicht draußen ist. Und das dokumentiert er.

Seit 60 Jahren ist der Todenhäuser ehrenamtliche Berichterstattung für die Agrarstatistik.

Dafür wurde Bächt jetzt vom Hessischen Statistischen Landesamt geehrt. Neben Ehrenurkunde und Präsent erhielt der Landwirt die Ehrenplakette des Landes Hessen, die ihm Dr. Günther Lißmann vom Regierungspräsidium in Kassel verlieh.

Kurz nach dem Krieg sei die Gemeinde mit der Bitte um einen Berichterstatter angeschrieben worden. „Anfangs dachte ich, die Daten seien auch nur für die Gemeinde“, sagt Bächt. Es sei eine spannende Zeit gewesen.

„Viele Betriebe waren ja gerade im Aufbau.“ Monatlich dokumentierte Bächt fortan Daten rund um seinen Betrieb, wie etwa Größe und was auf den Flächen angebaut wird. Auch das Wachstum der Pflanzen wurde beobachtet und notiert, ebenso der Ertrag, der Verkauf und was an die Tiere verfüttert wurde. „Die Zahlen kamen mir auch beim Aufbau des eigenen Betriebes zugute“, erklärt er. Die Durchschläge hat er bis heute aufbewahrt. Ihm sei es stets darum gegangen, gewissenhaft zu dokumentieren: „Vertuschen bringt nichts. Nur mit reellen Zahlen kann man Vorschläge für die Praxis entwickeln“, ist der 89-Jährige überzeugt. Aus seiner Erfahrung könne er mittlerweile sichere Prognosen treffen: „Dieses Jahr ist eine gute Ernte zu erwarten.“

Heute sei die Dokumentation leichter. „Alles ist technisiert, läuft über Waagen. Wie viel Milch unsere Kühe geben, wird ebenfalls erfasst.“ Früher habe es Monatsberichte gegeben, in denen er alle Daten eingetragen habe. Heute gehe das über den Computer. Von den Statistiken hätten auch die Lehrlinge profitiert: „Da war sicher auch schulmäßig einiges verwertbar“, sagt Bächt. Ihm habe die Aufgabe immer viel Spaß gemacht. Besonders der Austausch mit Kollegen. Wie lang er noch als Berichterstatter tätig sein wird, weiß er nicht, „meine Frau meint, ich sei alt genug.“ Aber die Aufgabe und die Arbeit am Hof liebt der 89-Jährige: „Ich rangiere noch besser als mancher Junge mit dem Schlepper.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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