Böse Überraschung im Lehrgarten

Garagen-Unterstand bringt Körler Naturschützer auf

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Verärgerte Naturschützer: Renate Heitmann, Gottfried Maßmann und Christian Bachmann im Körler Natur- und Lehrgarten. Rechts der Garagen-Unterstand zum Lehrgarten, im Hintergrund der Spielplatz. 

Körle. Die Körler Ortsgruppe im Naturschutzbund Deutschland (Nabu) ist aufgebracht. Grund: Der Bau eines Hauses direkt am Natur- und Lehrgarten ist aus Vereinssicht anders ausgefallen als von der Gemeinde angekündigt.

„Wir lassen uns vom Gemeindevorstand nicht für dumm verkaufen“, bringt Gottfried Maßmann die Stimmung im Vereinsvorstand auf den Punkt. Dorn im Auge ist dem Körler Nabu, dass der Auto-Unterstand des neuen Hauses direkt an den Naturgarten angrenzt. Auf der Grundlage der abgesprochenen Planungsunterlagen sei der Verein von einem angemessenen Abstand zwischen Haus und Lehrgarten ausgegangen. Für dieses Ziel habe die Gemeinde sogar eine 92 Quadratmeter große Fläche des Lehrgartens verkauft. Nun frage man sich nach dem Sinn des ganzen Geschäftes.

Ein anderes Ärgernis für die Ortsgruppe ist der Eingriff in die Pflanzenwelt des Lehrgartens. Dort wurde laut Schriftführer Gottfried Maßmann eine alte Wildkirsche gefällt. Als Ausgleich seien nach der Planung drei Obstbäume zu pflanzen. Außerdem müsse auf der Grenze zum Lehrgarten eine Hainbuchenhecke gesetzt werden, was aufgrund der Grenzbebauung gar nicht mehr möglich sei. Schlussendlich sei auch der Spielplatz im Lehrgarten betroffen. Denn Kinder liefen ständig Gefahr, mit einem Ball auch mal die Fotovoltaikanlage des neuen Hauses zu treffen.

In einem geharnischten Brief an den Gemeindevorstand fordert die Nabu-Ortsgruppe unter anderem als Ausgleich für die nicht realisierbare Hainbuchenhecke zwei neue Bäume für den Lehrgarten, und zwar eine Elsbeere, Mehlbeere oder Mispel. Sollten diese und andere Forderungen nicht angemessen erfüllt werden, werde man den Natur- und Lehrgarten nicht mehr ehrenamtlich pflegen und betreuen. Wörtlich heißt es in dem Schreiben: „Unser Verein hat wiederholt (...) betont, dass er sich in seiner Naturschutzarbeit durch den Gemeindevorstand und die Gemeindevertretung Körle nicht ausreichend ernst genommen fühlt. Wir kommen zu dem Schluss, dass das Maß nunmehr voll ist.“

Das sagt der Bürgermeister

Ohne den Verkauf eines drei Meter breiten Grundstücksstreifens vom Naturlehrgarten wäre dort der Bau eines Einfamilienhauses nicht möglich gewesen, erklärte Bürgermeister Mario Gerhold auf Anfrage der HNA. In die Verkaufsüberlegungen sei der Körler Naturschutzbund von Anfang an einbezogen worden. Zur heutigen Situation sagte Mario Gerhold: „Im Bebauungsplan ist eine Baugrenze festgesetzt, um den Gebäudeabstand von drei Metern zum Naturlehrgarten einzuhalten. (...)

Laut Bebauungsplan ist es möglich, auch außerhalb der überbaubaren Grundstücksflächen Stellplätze, Garagen oder Carports zu errichten. (...) Im Laufe der sehr ausführlichen Diskussion mit der Naturschutzgruppe ist leider diese baurechtliche Möglichkeit nicht explizit betrachtet worden. (...) Angesichts der Aussage, dass der Grenzabstand von einer Bebauung frei bleiben wird, ist die Enttäuschung der Naturschutzgruppe verständlich, eine vorsätzliche Täuschung (...) weisen wir jedoch ganz entschieden zurück.“

Quelle: HNA

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