Hochwasserschutz für Ippinghausen

Bollwerke gegen die Flut im Einklang mit der Natur

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Arbeiten laufen auf Hochtouren: Die Erde wird zu beiden Seiten des Elbe-Dammes aufgeschüttet und planiert.

Ippinghausen. Das Bachtal im Langen Rod oberhalb Ippinghausens hat sich in den vergangenen Monaten verändert. Die Arbeiten am Hochwasserschutz sind in vollem Gange. Die beiden Dämme, die der Elbe-Quelle am nächsten liegen, sind bereits fertiggestellt.

Aktuell wird am größten Bauwerk gearbeitet, einem Damm aus Beton. Er befindet sich nahe dem früheren Ausflugslokal Hasenmühle.

Wolfhagens Natur- und Gewässerschützer Stephan Schmidt schätzte Ende vergangenen Jahres die Kosten für das Vorhaben, das zu 85 Prozent vom Land gefördert wird, auf 700 000 Euro. Inzwischen hält er sich mit Aussagen zum Preis eher zurück, rechnet aber damit, dass es teurer werden könnte. „Wir sind noch lange nicht fertig.“ Neben den drei Bauwerken im Elbetal sollen im Jahr 2017 zwei weitere im Georgengraben zwischen Höhnscheid und Ippinghausen entstehen und ein kleines im Dorf. Überraschungen bei den Arbeiten hätten Einfluss auf die Kosten.

So musste an einigen Stellen das Bauwerk tiefer im Boden fixiert werden. Die Schichten, in denen sich der Beton gut mit dem Umgebungsmaterial verbinden lasse, hätten sich tiefer unter der Oberfläche verbunden, als erwartet. Besonders stolz sind Schmidt und Ippinghausens Ortsvorsteher Andreas Tichatschek auf den mittleren Damm zwischen Quelle und Hasenmühle. Der besteht zum größten Teil aus Holz. Mehrere dicke Buchenbaumstämme werden gehalten von einer Stahlkonstruktion, die in zwei Metern Tiefe im Boden Halt findet. Eingefasst wird das natürlich anmutende Bauwerk, das nach Angaben Schmidts so erstmals gebaut wurde, an beiden Seiten von Betonmauern.

Wasser fließt langsamer ab

Durch die Räume zwischen den Stämmen zirkuliert Luft und trocknet das Holz, bei Hochwasser wird angeschwemmtes Material zurückgehalten, und das hinterm Damm im Tal gestaute Wasser kann langsamer und weniger wuchtig ablaufen. „Der Vorteil besteht darin, dass man den Zustand der Stämme ganz leicht begutachten kann“, sagt Tichatschek. Sind sie nicht mehr robust und stark genug, müssen sie ersetzt werden.

Trotz der technischen Herausforderung beim Hochwasserschutz haben die Planer viel Wert gelegt auf Lösungen, die im Einklang stehen mit der Natur. So werden die Flächen, die während der Arbeit von Walzen und Baggern befahren wurden, eingesät mit Pflanzenmischungen, die einen hohen Kräuter- und Blumenanteil haben und Insekten Nahrung bieten. Im Staubauwerk, das der Quelle am nächsten liegt und über das die nun höher gelegte Schotterpiste verläuft, fungieren Borsten wie eine Art Fischtreppe. Über sie können Kleinstlebewesen und Fische, zum Beispiel das sehr seltene Bachneunauge, ungehindert den Fremdkörper passieren und die Elbe aufsteigen.

Quelle: HNA

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