Brachte Schwälmer Spezialitäten mit: Küchenchef im VW-Werk hört auf

Kochlöffel in der Größe eines Paddels: Karl-Heinz Friedrich aus Zella sorgte als Küchenchef im VW-Werk für regionale Gerichte. Foto:  privat

Zella/Baunatal. Töpfe wie kleine Badewannen, Kochlöffel in der Größe eines Paddels, riesige Schneebesen und Messbecher, die eher Eimern gleichen: Jahrzehntelang dachte Karl-Heinz Friedrich in diesen Dimensionen.

Jetzt wird’s eine Nummer kleiner. Der Zellaer, der mehr als 20 Jahre Küchenchef im VW-Werk in Baunatal war, überlässt nun das Kochen seiner Frau, er geht in den Ruhestand.

So ganz hat sich der 58-Jährige damit noch nicht angefreundet, das klingt im Gespräch durch. Immerhin hatte er über Jahrzehnte täglich eine Herkulesaufgabe bei Nordhessens größtem Arbeitgeber zu bewältigen: Mehr als 17 000 Menschen beschäftigt das VW-Werk in Baunatal, Tausende Essen werden in Betriebsrestaurants, SB-Shops und der fahrbaren Pommes-Bude täglich ausgeteilt. „Ich habe gerochen und eingeatmet, was sie essen wollten“, sagt Friedrich, der Chef im Großküchenbereich der Halle 1 war. Versorgt werden von dort aus acht der insgesamt 14 Betriebsrestaurants. Innerhalb weniger Stunden müssen schon mal 5000 Essen zubereitet werden.

Selbst am Herd stand Friedrich als Küchenleiter nicht mehr, dennoch war das wichtigste für ihn, dass die Mienen derjenigen, die in seinen Betriebsrestaurants aßen, zufrieden ausschauten. Das hatten er und sein Team, das aus mehr als 50 Köchen, Köchinnnen, Kassiererinnen und Praktikanten bestand, im Blick. Deren Credo: Wer schwer arbeitet, der hat Hunger. Der Anspruch seiner Küche war es, möglichst gesund, frisch und regional zu kochen. Als Zwang hat Friedrich das nie empfunden. Zwar gebe es keinen Einfluss auf Speisenkomponenten, die vom Stammwerk aus Wolfsburg im Cook and Chill-Verfahren (Kochen und Kühlen) angeliefert werden, aber bei den Baunataler Speisen sei alles selbst hergestellt, es gebe keine Fertigartikel, erklärt Karl-Heinz Friedrich.

Einen Renner im VW-Werk hat Friedrich aus der Schwalm importiert: 1600 Schwälmer Kartoffelwürste werden täglich im VW-Werk in Baunatal verzehrt. Unter den Top Ten sind neben den Rindsrouladen (Friedrichs Lieblingsgericht) auch die Schnitzel. Die werden nicht etwa tiefgefroren angliefert. Sie kommen immer frisch aus Melsungen. Auch die Backwaren kommen aus dem Schwalm-Eder-Kreis.

Rezepte? Die gibt es eigentlich nicht, sagt Friedrich. „Der Geschmack liegt in der Hand.“ Man wisse im Laufe der Jahre einfach, wie viele Hände Kräuter, Pfeffer und Salz man beispielsweise für 150 Liter Suppe benötige, meint er.

Ganz wichtig ist Friedrich das Ergebnis: „Es muss schmecken wie daheim bei Muttern.“

Quelle: HNA

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