Nimrod Kuhn und Michael Lindemann packten beim Hausbrand kurzentschlossen zu

Brand in Frielendorf: Männer retteten Leben von 62-jährigem Bewohner

Selbstloser Einsatz: Nimrod Kuhn (25, links) und Michael Lindemann (37) retteten in Obergrenzebach einem 62-jährigen Mann das Leben, in dem sie ihn durch die Eingangstür aus seinem brennenden Haus nach draußen zogen. Foto: Köcher

Obergrenzebach. Diesen Tag werden Michael Lindemann und Nimrod Kuhn so schnell nicht vergessen. Die beiden Arbeiter des Frielendorfer Bauhofes legten am Montagmorgen vor dem Kindergarten in Obergrenzebach neues Pflaster – und hatten am Ende des Tages ein Leben gerettet.

Denn wenige Häuser weiter stand am Mittelweg ein Haus in Flammen, und nur dem entschiedenen Handeln des Duos ist es zu verdanken, dass der 62-jährige Eigentümer des Hauses das Unglück mit einer Rauchgasvergiftung überlebte.

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„Die Feuerwehrleute wären vermutlich zu spät gekommen“, sagt der stellvertretende Gemeindebrandinspektor Michael Bühn. Es sei um Sekunden, höchstens Minuten gegangen, denn die Rauchgasentwicklung in dem Wohnhaus sei enorm gewesen. Und beide Arbeiter hätten vorbildlich gehandelt und dabei selbstlos die eigene Gesundheit aufs Spiel gesetzt, sagt Bühn.

Es war zur Mittagszeit, als Michael Lindemann (37) mit dem Auto die Straße zum brennenden Haus hinunterfuhr, um Erdreich von der Baustelle am Kindergarten wegzubringen.

Da sah der Obergrenzebacher zum ersten Mal Qualm. Kurzerhand rief der zweifache Familienvater seinen Kollegen, den Frielendorfer Nimrod Kuhn (25) herbei. Beide rannten zum Haus, und Lindemann sah im Garten hinter dem Haus noch den 62-Jährigen. Der habe entsetzt gerufen, dass sein Mittagessen noch auf dem Herd stehe und sei dann durch eine Kellertür, die hinter ihm zuschlug, durch die Waschküche ins Haus gerannt.

Fotos: Wohnhausbrand in Obergrenzebach

Wohnhausbrand in Obergrenzebach

Lindemann und Kuhn stürmten zur Eingangstür auf der Vorderseite und hörten dahinter noch ein auffälliges Krachen – der Hausbewohner war hinter der Tür umgefallen. Kuhn trat mit ein, zwei festen Tritten den unteren Teil der Glastür ein, und beide machten durch die Öffnung noch einen Schritt hinein in den Hausflur. „Wir riefen in den dichten Qualm nach dem Mann“, erinnert sich Kuhn. Dann sahen die beiden den 62-Jährigen mit gekrümmten Beinen auf dem Boden liegen und zogen den Mann nach draußen. In diesem Moment schlugen schon die Flammen durch die Fenster nach draußen, und erste Ziegel lösten sich vom Dach.

„Es sah kritisch aus“, sagt Lindemann. Der Hausbewohner sei komplett schwarz gewesen, er hatte mehrere Schnittwunden, und aus der Nase sei dunkles Blut gelaufen, erklärt der 37-Jährige: „Er war nicht bewusstlos, aber sehr geschwächt, und er hat nach Luft gerungen.“ Auf dem gegenüberliegenden Gehsteig legten die beiden Arbeiter den Geretteten in stabiler Seitenlage ab, den die Nachbarn gleich in Decken packten.

Später mussten die Lebensretter noch für zwei Stunden zur Beobachtung ins Ziegenhainer Klinikum, weil sie giftigen Rauch eingeatmet hatten.

Keine Zeit für Angst

Zeit für Angst oder Nachdenken hätten beide bei ihrer Rettungsaktion nicht gehabt, blicken sie zurück. „Wir hatten nur den Gedanken, wie man helfen kann“, sagt Lindemann. Zurückblickend habe ihn erschrocken, zu sehen, wie schnell ein Haus in Flammen stehen könne.

„Weiter wäre ich auch nicht in die Wohnung gegangen, das wäre gefährlich geworden“, sagt Kuhn, der selbst seit fünf Jahren Mitglied der Frielendorfer Feuerwehr ist. Denn wie schlimm sich Rauchgas auswirkt, hatte der 25-Jährige selbst bei einem Großeinsatz der Feuerwehr im Januar 2010 in Spieskappel erlebt: Bei einem Hausbrand waren zwei Menschen im Schlaf erstickt.

Die genaue Ursache für den Brand in dem Obergrenzebacher Wohnhaus ist noch nicht abschließend geklärt, sagte Markus Brettschneider von der Kriminalpolizei Homberg. Es gebe aber keine Hinweise auf vorsätzliche Brandstiftung. Nach ersten Ermittlungen war der Brand im Bereich der Küche im Erdgeschoss entstanden.

Von Jürgen Köcher

Quelle: HNA

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