Fehlalarme belasten die Feuerwehren

Brandmeldeanlagen alarmieren frühzeitig, aber häufig ohne tatsächliches Feuer

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Viele verschiedene Komponenten: Dieter Ide vom Brandschutzamt des Schwalm-Eder-Kreis zeigt am Modell, woraus eine Brandmeldeanlage besteht.

Schwalm-Eder. Sie können Leben retten, sind aber für die Feuerwehren auch ein Sorgenkind: Die Brandmeldeanlagen, kurz BMA genannt, die in vielen Behörden, in Krankenhäusern und Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden installiert wurden.

„Der Vorteil der Brandmeldeanlage besteht darin, dass auch in Abwesenheit von Personen ein Brand frühestmöglich erkannt wird und die Feuerwehr diesen noch in der Entstehungsphase löschen kann“, erklärt Kreisbrandinspektor Werner Bähr die Vorteile.

Doch es sind die vielen BMA-Fehlalarme, die die ehrenamtlichen Brandschützer belasten. Fast 50 Mal mussten zum Beispiel die Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Schwalmstadt im vergangenen Jahr zu BMA-Einsätzen ausrücken – und oft war es falscher Alarm.

Dabei handelt es sich aber in der Regel gar nicht um einen echten Fehlalarm wegen eines technischen Defekts. Die Anlagen funktionieren vorschriftsmäßig. Vielmehr wird die BMA getäuscht und ihr ein Brand vorgegaukelt. Tiere etwa können einen Alarm auslösen, aber auch Reinigungsarbeiten sind oft Verursacher von den sogenannten Täuschungsalarmen.

„Der Brandmeldeanlage kann man da keinen Vorwurf machen, die kann meistens nicht zwischen feinem Staub oder Brandrauch unterscheiden,“ sagt Werner Bähr.

Sobald eine Brandmeldeanlage ausgelöst hat, läuft der Alarm umgehend bei der zentralen Leitstelle in Homberg auf. „Ein BMA-Alarm wird wie der Anruf eines Menschen gewertet“, stellt Bähr fest.

Mit Eingang des Alarms setzt in der Leitstelle ein Automatismus ein: Anhand der Alarm- und Ausrückordnungen wird für das betroffene Gebäude eine angemessene Anzahl von Einsatzkräften alarmiert. Da es sich bei von einer BMA überwachten Gebäuden häufig um große Gebäudekomplexe handelt, ist von Anfang an eine größere Anzahl an Einsatzkräften erforderlich. „Ein Altenwohnheim evakuiert man nicht mit ein paar Mann“, gibt Erster Kreisbeigeordneter Winfried Becker zu bedenken.

Vor diesem Hintergrund ist die Alarmierung vieler Feuerwehren verständlich. „Nur ein Auto hinschicken, mal schauen und dann bei Bedarf nachalarmieren, das wäre nicht zielführend. Dann könnte man sich die Brandmeldeanlage auch sparen“, sagt Becker, und Werner Bähr ergänzt: „Früherkennung hat nur Sinn, wenn genügend Einsatzmittel schnell vor Ort sind.“

Den Feuerwehrleuten hilft die Spielerei zwischen Täuschungs- und Fehlalarm letztlich wenig. Sie müssen zu jeder Tages und Nachtzeit ausrücken. „Häufige BMA-Einsätze zehren an der Motivation der Einsatzkräfte. Schlimmstenfalls kommt bei einer Alarmierung keiner mehr,“ weiß auch der Kreisbrandinspektor. Er plädiert für den Einsatz von moderner Technik: „Mithilfe moderner und intelligenter Brandmelder könnten Fehlalarme einer BMA nahezu ausgeschlossen werden.“

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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