Belastungszeuge zur Brandserie Weißenthalsmühle

Brandstifter ist 30.000 Euro wert

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Erster Brand: Thomas Martin von der Niedensteiner Feuerwehr zeigt im Jahr 2008 auf die Trümmer der Weißentalsmühle.

Niedenstein/Kassel. Dass ein Staatsanwalt richterliche Fragen rügt, kommt eigentlich selten vor. Nicht aber im Prozess um die Brandserie Weißenthalsmühle. Zum Beispiel am jüngsten Verhandlungstag.

Gehört wurden am Donnerstag ein Zeuge und eine Zeugin, die die Ermittlungen gegen den Besitzer des Anwesens und gegen einen 55-Jährigen aus Hofgeismar in Gang gebracht haben sollen.

Beide berichteten dem Landgericht über ein Telefonat mit der ehemaligen Lebensgefährtin des 55-Jährigen. Eigentlich sei es um Beziehungsprobleme gegangen. Plötzlich habe die Frau erwähnt, ihr Partner habe die Weißenthalsmühle angezündet. Dabei sei auch zur Sprache gekommen, dass der 55-Jährige dafür Geld vom Eigentümer der Mühle, Volker G., bekommen habe. Diese Informationen hätten ihnen schwer zu schaffen gemacht, sagten die Zeugen.

Sie wandten sich damit schließlich aber nicht an die Polizei – sondern an die Versicherung, die G. für die Brandschäden auf seinem Anwesen große Summen zahlen sollte. Mehr noch: Wie beide dem Landgericht bestätigten, zahlte die Versicherung Geld an die Zeugen. 20.000 Euro seien bereits geflossen. 10.000 Euro sollen noch ausstehen. Dann störte sich der Staatsanwalt an der Frage eines Richters: Ob das restliche Geld kommen solle, wenn Herr G. verurteilt würde, wollte einer der Richter von der Zeugin wissen. Das sei suggestiv, kritisierte der Staatsanwalt. Die Kammer ihrerseits berief sich auf ein polizeiliches Vernehmungsprotokoll in den Akten. Dort heißt es, die „Hauptzahlung“ solle fließen, wenn bewiesen sei, dass der 55-Jährige den Brand gelegt und G. den Auftrag gegeben habe.

Ob die Beamten mal darauf hingewiesen hätten, dass ein Deal „Aussage gegen Geld“ problematisch sein könne, wollten die Richter später vom männlichen Zeugen wissen. Seine Antwort: „Nö.“

Kritik an der Polizei erhob er aber seinerseits: Man habe ihn und seine Frau ohne Hilfe stehen lassen und noch nicht einmal Bescheid gegeben als der 55-Jährige – zeitweise – aus der Untersuchungshaft entlassen worden sei.

Zu guter Letzt beantragte am Donnerstag der Verteidiger des 55-jährigen mutmaßlichen Brandstifters seinen Mandanten gegen Auflagen von der Haft zu verschonen. Der Staatsanwalt stellte sich nicht dagegen. Entscheiden muss das Gericht. Fortgesetzt wird der Prozess am 1. Oktober.

Von Katja Schmidt

Quelle: HNA

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