„Ihr werdet alle vernichtet”

Brandstifter-Prozess: Bruder der Angeklagten fühlt sich von Familie verleumdet

Wabern/Kassel. „Es gibt keine Anschläge von draußen. Es gibt einen Anschlag gegen meine Familie." Das sagte gestern ein 37-Jähriger Mann vor dem Landgericht Kassel. Er ist der Bruder des wegen schwerer Brandstiftung angeklagten 24-Jährigen.

Dessen Bruder (33) und seine Frau sind wegen Anstiftung zur Brandstiftung angeklagt. Der 37-Jährige ist der Einzige aus der Familie, der aussagt. Er sei verleumdet und zu Unrecht beschuldigt worden, weil er ein eindeutiges Alibi habe.

Sechs Tage vor dem Großfeuer am 6. Juli 2014 im Haus Landgrafenstraße 4 in Wabernwar der 37-Jährige entlassen worden, nachdem er eine Haftstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten - vor allem wegen Verkehrsdelikten - verbüßt hatte.

Nach einem Hinweis dieses Mannes hatte die Polizei im Vormonat in dem Gebäude einen neunten Brandsatz gefunden.

Die Brandsätze bestanden aus Zuckerstreuern, die mit einem Benzingemisch gefüllt worden waren. Inzwischen steht laut Beweisaufnahme fest, dass die Lunte des zuletzt gefundenen Brandsatzes mit allen anderen übereinstimmt.

Merkmale von DNA-Spuren auf einem Benzinkanister und den Zuckerstreuern stimmen nach Ermittlungen des Landeskriminalamtes (LKA) mit dem Personenprofil des 24-Jährigen überein. Weitere Verdächtige wurden ausgeschlossen.

„Ich sage aus und bin behilflich, die Täter zu fassen, es geht um die Wahrheit”, sagte der 37-Jährige gestern. Er werde auch ausdrücklich gegen seine Familie aussagen, hatte er schon mal zu Protokoll gegeben. Wen er konkret verdächtigt oder beschuldigt, das blieb gestern offen. Einer habe die Tat auf sich nehmen wollen, damit der Hauptangeklagte freikommt. „Meine Seele ist in 1000 Stücke zerrissen”, sagte er.

Er räumte ein, auch schon einmal die Scheibe des von der Familie betriebenen Imbissbetriebes in Wabern eingeworfen zu haben, weil der Betreiber seine zwei jüngeren, mitarbeitenden Brüder „wie die Hunde” behandelt und nichts gezahlt habe.

Für Aufsehen sorgte gestern die Erklärung des Anwalts des in Haft sitzenden Hauptangeklagten. Der 37-Jährige Zeuge habe zu Beginn der Sitzungspause der Familie zugerufen: „Alle, alle, ich werde Euch vernichten. Ihr kommt nicht davon.”

Laut Anwältin der angeklagten Frau habe der Zeuge zu seiner Mutter gesagt: „Ihr werdet alle vernichtet.” Ein Bruder bestätigte dies gestern auf Nachfragen des Vorsitzenden Richters.

Der 37-Jährige bestritt dies, sprach von einem dreckigen Spiel. „Du bist ein Teufel geworden”, sei er aus der Familie beschimpft worden. Streit in der Familie habe es auch gegeben wegen finanzieller Probleme und einer „Zwangsheirat gegen die jüngere Schwester”.

Warum er im Juli in Frielendorf sein Auto in Brand gesetzt habe und warum es zu tätlichen Auseinandersetzungen gekommen sei, wollte der Richter wissen. „Weil bei mir dreimal eingebrochen wurde und ich die Schnauze voll hatte”, sagte der Zeuge.

Nach dem Vorfall sei er zweimal aus der Psychiatrie abgehauen. Er habe schon früher in Angst und Schrecken gelebt, ein älterer Bruder habe ihm gedroht, ihn zu töten. Auch deshalb habe er dort Scheiben eingeworfen.

Bis 19. Oktober stehen noch vier Verhandlungstage an. Am Freitag, 25. September, kommt ein Brandsachverständiger des LKA.

Von Manfred Schaake

Archiv-Fotos

Feuerwehreinsatz in Wabern - Dachstuhl brannte

Archiv-Video

Quelle: HNA

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