Bürgermeister Stefan Hable im Interview über Schulden, Gemeinsamkeiten und Veränderungen

„Brauchen sehr langen Atem“

Laptop immer griffbereit: Naumburger Bürgermeister Stefan Hable in seinem Büro im Rathaus. Foto: Norbert Müller

Naumburg. Die erste Hälfte seiner Amtszeit ist vorbei: Wie sieht die Zwischenbilanz des Naumburger Bürgermeisters Stefan Hable aus? Was hat sich verändert - in der Stadt, in seinem Leben? Wir haben nachgefragt.

Herr Hable, die Hälfte Ihrer ersten Amtszeit als Bürgermeister ist vorbei. Haben Sie sich Ihre anfängliche Ruhe und Gelassenheit im Alltag als Bürgermeister erhalten können?

Stefan Hable: Ich finde es gut, dass Sie mir die - wie ich finde - positiven Eigenschaften Ruhe und Gelassenheit zuschreiben. Ich denke, dass gute Entscheidungen nicht hektisch oder aufgeregt getroffen werden können. Als Bürgermeister steht man unter enormem - auch zeitlichem - Druck. Diesem immer Stand zu halten, ist nicht einfach.

Sie hatten sich die Konsolidierung des Haushalts auf die Fahne geschrieben. Wie weit sind Sie von diesem Ziel noch entfernt?

Hable: Um die Schulden zu reduzieren, brauchen wir einen sehr langen Atem. Als ersten wichtigen Schritt haben wir alle städtischen Verbindlichkeiten im Haushalt abgebildet. Ferner hat der Magistrat 2008 entschieden, keine Nettoneuverschuldung mehr einzugehen. Das bedeutet, dass wir seit diesem Zeitpunkt insgesamt mehr Schulden tilgen als wir Kredite für neue Investitionen aufnehmen. Dies können wir auf Dauer aber nur durchhalten, wenn es hierüber einen großen politischen Konsens gibt. Nach derzeitiger Einschätzung ist es so, dass wir den Schuldenstand für langfristige Verbindlichkeiten von 8,4 Millionen Ende 2009 auf voraussichtlich 7,6 Millionen Ende 2011 reduzieren werden.

Sie hatten personelle Veränderungen im Rathaus angekündigt. Hat es diese gegeben?

    Hable: Wir haben die Verwaltung aufbau- und ablauforganisatorisch neu strukturiert. So haben wir beispielsweise die dezentrale Finanz- und Fachverantwortung eingeführt. Das bedeutet vereinfacht dargestellt, dass die Kolleginnen und Kollegen, die fachlich zuständig sind nun auch die finanziellen Auswirkungen ihres Handels verantworten. Wir haben den Bauhof zu einem Dienstleister für die Stadt umfunktioniert, und werden 2011 das Bürgerbüro im Rathaus einrichten. Dass diese Veränderungen nicht immer glatt laufen liegt in der Natur der Sache.

Ebenfalls eines Ihrer Ziele: Mehr Einheit zwischen Kernstadt und Stadtteilen.

Hable: Das Ziel, Naumburg insgesamt zu einer funktionierenden Gemeinschaft zu entwickeln, in der für Kirchturmdenken wenig Platz ist, halte ich nach wie vor für enorm wichtig. Um es zu erreichen, brauchen wir viele Unterstützer an den entscheidenden Stellen in der Politik und den Vereinen und Verbänden. Aus zahlreichen Gesprächen weiß ich, dass dies die Mehrheit der Bürger ähnlich sieht. Es gibt natürlich bedauerlicherweise auch Menschen, die diesem Prozess ablehnend gegenüber stehen.

Als positive Beispiele für ein Mehr an Einheit zwischen Kernstadt und Stadtteilen möchte ich die Einrichtung der zentralen Nachmittagsbetreuung für alle Kindergartenkinder in der Kernstadt anführen. Seit August 2010 besteht dieses Angebot.

Wie weit ist Naumburg auf dem Weg zu einer familienfreundlicheren Stadt?

    Hable: Das ist eine gesamtgesellschaftliche Daueraufgabe, die wir gemeinsam anpacken müssen. Hier ist die Stadt ebenso gefordert, wie z. B. die ansässigen Arbeitgeber, Einzelhändler und viele andere. In Naumburg hat sich schon etwas getan. Die Einrichtung der zentralen Nachmittagsbetreuung im Naumburger Kindergarten, die Nachmittagsbetreuung der Schulkinder an der Elbetalschule oder die Einrichtung von Tempo 30-Zonen in den Wohngebieten möchte ich als Beispiele anführen.

Zu den Schwerpunkten Ihrer Politik sollte die interkommunale Zusammenarbeit gehören. Reicht es aus, was sich bisher im Altkreis getan hat?

Hable: Ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Die Bürgermeister des Wolfhager Landes haben in einem gut vorbereiteten Prozess die politischen Entscheider in den Kommunen über die Notwendigkeit und die Möglichkeiten der interkommunalen Zusammenarbeit informiert und von dort die Legitimation erhalten, in diese Richtung weiter zu denken. Ein solches Vorgehen hat es nach meinem Kenntnisstand so noch nicht gegeben. Erste Erfolge zeichnen sich ab: Der gemeinsame Standesamtsbezirk „Wolfhager Land“ und das unter der Federführung von Naumburg stehende Projekt „Premiumwanderweg Habichtswaldsteig“, an dem elf Kommunen beteiligt sind.

Wie hat sich Ihr Leben verändert, seit Sie im Amt sind?

Hable: Wenn man in der Woche täglich zehn bis zwölf Stunden arbeitet und auch am Wochenende dienstliche Termine wahrnimmt, dann bleibt wenig Zeit für andere Dinge. Da unterscheidet sich das Bürgermeisteramt nicht von anderen zeitintensiven Berufen. Meine Familie und ich haben gelernt, die knapp bemessene Zeit effektiver zu nutzen. Insofern kommen wir gut mit dieser Belastung zurecht.

Quelle: HNA

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