Philip Julius und Axel Renner im HNA-Interview zur Talentförderung im Handball

Breite Basis, dünne Spitze

Axel Renner ist hauptamtlicher Jugendkoordinator der MT Melsungen. Fotos: Dewert

Melsungen. Axel Renner und Philip Julius wollen, dass künftig Kinder und Jugendliche aus der Region hochklassig Handball spielen.

Herr Renner, wird die MT Melsungen nicht den Rahm der vielversprechenden Jugendspieler abschöpfen?

Renner: Wir wollen natürlich, dass die besten Spieler bei der MT Melsungen trainieren. Parallel sollen Strukturen aufgebaut werden, von denen alle Vereine profitieren.

Julius: Nicht alle Jugendlichen haben die Ambition, mal Bundesliga zu spielen. Denn mit solchen sportlichen Zielen muss der Sport absolut im Mittelpunkt stehen.

Die Schulen der Region spielen in ihrem Konzept eine wichtige Rolle.

Renner: Genau. Die Kinder sollen in den Schulen abgeholt werden. Über die Talentaufbaugruppen (TAG) und Talentfördergruppen binden wir die Kinder dann an den Vereinssport.

Was sind Talentfördergruppen?

Renner: Das ist ein Programm vom Land an den Grundschulen. Sportliche Kinder werden erst allgemein, dann sportartspezifisch gefördert.

Wie sieht die Zusammenarbeit in der Praxis aus?

Renner: Als erstes wollen wir sportbegeisterten Kindern die Möglichkeit bieten, sooft zu trainieren wie sie wollen und Spaß dabei zu haben. Aber es fehlt an Hallenzeiten.

Es können aber keine neuen Hallen gebaut werden.

Renner: Stimmt. Aber ein E-Jugendlicher kann einmal bei der JSG trainieren, einmal bei der TAG, einmal bei der Talenfördergruppe und einmal in Melsungen. So ermöglichen wir ein viermaliges Training.

Das klingt nach viel Fahrerei.

Renner: Wir bieten zwar schon einen Fahrdienst an, der muss aber deutlich ausgebaut werden.

Julius: Ohne die weitere Unterstützung von Ehrenamtlichen werden wir die Ziele ohnehin nicht umsetzen können.

Renner: Wenn wir die besten wollen, müssen entsprechende Voraussetzungen geschaffen werden. Die Kinder entwickeln wir nicht mit zwei Mal Training in der Woche.

Dann muss auch etwas im Umfeld getan werden.

Julius: Wir wollen einen Dreiklang aus Logistik, Gesundheitsaspekten und der Kommunikation mit den Schulen. Die Kinder müssen auch aufgefangen werden. Dabei geht es um alltägliche Gegebenheiten wie Busfahrzeiten, Nachmittagsbetreuung und vieles mehr.

Wie wollen Sie das mit den Vereinen lösen?

Julius: Wir können uns breiter aufstellen, zum Beispiel über Mitarbeiter, die ein Freiwilliges Soziales Jahr bei uns absolvieren, Psychologen einsetzen und die Gespräche mit den Schulen sowie Eltern intensivieren.

Renner: Wir sind schon jetzt vernetzt mit Psychologen und Pädagogen wie zum Beispiel Jörg Anacker. Auch über den Deutschen Sportbund gibt es noch weitere interessante Möglichkeiten.

Ein ambitioniertes Vorhaben.

Julius: Wir haben die Breite an der Basis, aber die Konzentration an der Spitze fehlt. Wir sind eine tolle Handballregion, es wäre tragisch, wenn wir das nicht nutzen. Den Kindern muss die die Möglichkeit gegeben werden, sich Ziele zu setzen. Wie immer die aussehen – wir haben einen 3. Ligisten, Landesligisten und bald einen 2. Ligisten und dazu einen spitzen Bundesligisten.

Wie erfahren die Kinder von den neuen Möglichkeiten?

Renner: Zum Beispiel über diese Berichterstattung, aber wir präsentieren uns auch an den Schulen, Lehrertrainer Reiner Wagner ist unser Ansprechpartner.

Die Mädchen sind in der Region ähnlich erfolgreich.

Renner: Der Frauenbereich soll im selben Maß profitieren. Wir wollen beispielsweise die konstruktive Zusammenarbeit mit den Damen vom SG 09 Kirchhof ausbauen.

Wie weit geht die Liebe – gibt es eine finanzielle Unterstützung für die Kooperationspartner?

Renner: Wir werden Trainerausbildungen anbieten, Kosten für Referenten übernehmen und den Großteil der Infrastruktur tragen.

Und dann kommt das Jugendinternat?

Renner: Das hat keine Priorität, ist aber doch reizvoll. Wir arbeiten an einer großen Sache, die ist nur noch nicht spruchreif.

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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