Im Neukirchener Ortsteil wohnen Künstler, Gärtner, Bäcker und ein Wetterfrosch

Von Broten und Raben

Ortseingang: Der Holzkünstler Stefan Kaiser gestaltete zwei Raben für die Durchfahrten im Dorf. Fotos: Schittelkopp

Hauptschwenda. Wer es gern gemütlich mag, dem zeigt sich der Neukirchener Ortsteil Hauptschwenda von seiner besten Seite. Ruhe suchte auch Stefan Kaiser, allerdings damit er ein bisschen mehr Lärm machen kann. Der Holzkünstler zog mit seiner Frau und den fünf Kindern vor drei Jahren an den Rande des Knüllgebirges.

Eigentlich stammt der 39-Jährige aus Frankfurt, doch suchte er für seine Familie und die Arbeit das Landleben. „Sicher nerve ich die Nachbarn auch hier mit dem Lärm der Kettensäge“, sagt Stefan Kaiser. Der Künstler fertigte die Holzraben an den Ortseinfahrten des 160-Seelen-Dorfes.

„Es kommt selten vor, dass junge Familie hierher ziehen“, weiß Ortsvorsteher Manfred Salm. Er wohnt mit seiner Frau direkt neben der kleinen Dorfkirche. 80 Personen finden in den Bänken Platz. Nach der Tradition nehmen die Männer oben in der Empore Platz, während die Frauen unten sitzen.

„Hauptschwenda ist steinreich“, scherzt der pensionierte Postbote. Denn der Ort steht auf Basalt: „Es gab hier wohl mal einen Vulkan“, erzählt der Ortsvorsteher. Musste ein neues Gebäude gebaut werden, kam es schon vor, dass gesprengt werden musste.

Renate Kurz sorgt für gutes Essen im Dorf. Seit 25 Jahren backt sie alle zwei Wochen Roggen-, Sonnenblumen- und Vollkornbrot mitten im Dorfzentrum, im alten Backhaus. Das Handwerk hat sie von ihrer Schwiegermutter gelernt. „Ich mag kein anderes Brot“, sagt die 62-Jährige, auch Freunde und Bekannte kommen in den Genuss der Backwaren.

Für gutes Wetter hingegen ist Heinrich Kuhn zuständig. Auf seinem Hof steht eine Wetterstation. „Früher musste ich dreimal am Tag ablesen“, erzählt der Landwirt. Heute werde alles digital übermittelt. Nur im Winter muss er den Neuschnee messen und wiegen.

Viel Arbeit hat auch Erika Schneider. Sie ist Malerin, Gärtnerin und verfasste die Dorfchronik. „Ich male gern in freier Natur“, erzählt sie. Ihr Ölgemälde „Dr. Luther im Kreise seine Mitarbeiter“ war bereits in der Kasseler Brüderkirche ausgestellt. Am Morgen und am Abend ist sie in ihren Gärten beschäftigt. So legte sie ein kleines Refugium an der alten Schule an. Auch vor und hinter ihrem Haus gärtnert sie mit viel Liebe zum Detail.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

Kommentare