Wildparkleiter Dr. Wolfgang Fröhlich über schlaue Tiere und tierische Mitarbeiter

Big Brother im Fuchsbau

Clever: Baummarder sind soziale und intelligente Tiere, sagt Dr. Wolfang Fröhlich. Sie und weitere Bewohner des Parks stellen wir in unserer Serie vor. Foto: Yüce

Was ein Wellness-Urlaub mit dem Wildpark Knüll zu tun hat? Viel! Wellness zielt auf Wohlbefinden, Spaß und eine gute körperliche Verfassung ab und genau diese drei Dinge bekommt man im Naturzentrum Wildpark Knüll. Zugegeben, es ist eine relativ kurze, dafür aber intensive Auszeit. Zwei Stunden und man ist gemütlich durch den Wildpark gewandert. Doch haben die es in sich.

Los geht es im Frühlingshof. Der ist neu. Man sieht dort Hühner picken, mit ihren Küken durch das Gelände streifen und man hört Hähne krähen. „Das erinnert doch an Bauernhöfe von einst“, sagt Wildparkleiter Dr. Wolfgang Fröhlich und lächelt zufrieden. Denn der Frühlingshof mache eine Reise in die Vergangenheit möglich. „Wo schreit denn heute noch ein Hahn“, sagt Fröhlich.

Es ist mehr als ein nostalgischer Ausflug: Tiere wie Luchse, Wölfe, Schneeeulen und Co. kann man in dem Park beobachten. In einigen Gehegen sogar ohne das Zäune den Blick auf die wilden Tiere hindern. Möglich wird das bei den Luchsen zum Beispiel durch einen hölzernen Steg, von dem aus man fast glaubt, den Atem der Jäger spüren zu können. Klar, dass alles ganz sicher ist. „Hier könnte der Luchs nicht hochspringen. Über drei Meter, das ist zu hoch für die Tiere“, sagt Fröhlich. Der Luchs heißt übrigens Paul.

Schlaf geht vor

Weiter geht es zu den Füchsen. Sie schlafen gerade in ihrem Bau, während eine Auszubildende des Wildparks ihnen Futter in das Gehege bringt. Doch selbst davon lassen sich die Füchse nicht locken. Schlaf geht vor. Dabei werden sie von den Besuchern beobachtet. Eine Kamera liefert schwarz-weiße Livebilder aus dem Bau. Ein wenig erinnert das an das Fernsehformat Big Brother – der Blick auf die schlafenden Füchse ist allerdings interessanter.

Zwei Auszubildende zum Zootierpfleger arbeiten im Park. Sie werden dort und im Frankfurter Zoo geschult. „Uns wird von dem Zoo eine gute Arbeit bescheinigt. Darauf sind wir ein wenig stolz“, sagt Fröhlich. Die Übernahmechancen für die Azubis sind übrigens gut.

„Hier ist es auch an schlechten Tagen schön.“

Dr. Wolfgang Fröhlich

Tierische Mitarbeiter im Außeneinsatz gibt es auch. Die Tapane sind so etwas wie Landschaftspfleger im Hutewald bei Rengshausen. Indes kommen die intelligenten und vogelfreien Kolkraben ganz freiwilligen in den Park. „Sie sind sehr soziale Tiere“, sagt der Wildparkleiter und weiß auch über die blinden Passagiere des Parks so manche Geschichte zu erzählen.

Die absoluten Stars des Parks sind die Bären. Auch sie kann man ganz ohne störenden Zaun beobachten – von oben. Nur nicht jetzt. Derzeit halten sie Winterruhe und eine Live-Schaltung in ihr Haus gibt es nicht. Die drei jungen Bären haben kürzlich übrigens ihren zweiten Geburtstag verschlafen. Bären, Wölfe, Kolkraben sind Tiere, die auch den Wildparkleiter faszinieren. „Sie sind intelligent, man kann von ihnen was lernen“, sagt der Diplom-Biologe. Auch die Baummarder haben es ihm angetan. „Der Umgang mit ihnen ist schön. Sie sprechen das Herz an“, fügt er an.

Alles inszeniert

Fasziniert ist der 48-Jährige auch von seinem Arbeitsplatz. Seit 13 Jahren arbeitet er im Wildpark. „Hier ist es auch an schlechten Tagen schön“, sagt er. Die Zukunft des Parks zu gestalten, dass ist eine der wesentlichen Aufgaben, von der aber das Publikum nur wenig mitbekomme. Fröhlich zeigt auf einen kleinen Berg aus Steinen und Wiese, auf dem Hähne stehen und kurz drauf auf einen hohlen, großen Stamm, der wie zufällig im Luchsgehege liegt. „Das alles ist inszeniert“, sagt er. Ohne Kitsch, möglichst natürlich, um den Tieren und den Zuschauern etwas zu bieten. Letztere werden ab Ostern wieder in den Park strömen – um ganz nah dran zu sein, an den wilden Tieren. Dann beginnt die Hauptsaison und dann erwachen nicht nur die Bären aus der Winterruhe.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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