Bruch im Dachstuhl: Denkmal in Naumburg droht die Abrissbirne

Fachwerk an der Unteren Straße: Wenn das Zobelsche Haus (Mitte) abgerissen würde, wäre das bislang geschlossene Ensemble zerstört.

Naumburg. Die Zeit wird knapp für das Haus Untere Straße 41 in Naumburg. Einst stolzes Wohnhaus, mit üppig Platz für drei Parteien, winkt ihm inzwischen die Abrissbirne. Ob sie tatsächlich zuschlägt, entscheidet sich noch in diesem Monat.

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Im Spätsommer wurde der Bruch eines Dachbalkens festgestellt. Folge des Bruchs: Der Giebel zur Unteren Straße hin ist instabil, könnte im schlimmsten Fall auf die Hauptgeschäftsstraße stürzen. Das Gebälk wurde von einem Fachmann stabilisiert, für eine Schneelast auf der Dachfläche ist das Provisorium aber nicht ausgelegt, so Landkreissprecher Harald Kühlborn. Die Bauaufsicht des Kreises ist derzeit in der Sache federführend, hat mit einem Bauzaun den Bereich vor dem Haus abgesperrt, ein neues Gutachten für das gesamte Haus eingeholt und bereitet die weiteren Schritte vor.

„Mir ist es im Endeffekt egal, was mit dem Haus passiert.“

Und die, so Kühlborn, sehen letztlich zwei Lösungen vor: die Sanierung des Dachstuhls, als Alternative den Abriss des gesamten Gebäudes. Um die genauen Kosten zu ermitteln, laufen derzeit noch Ausschreibungen. Was sich abzeichne, so Kühlborn: Ein Abriss wäre wohl geringfügig billiger als eine - das Haus vor dem Ende bewahrende - Dachsanierung. Von Fachleuten war zu erfahren, dass man mit Kosten um die 40.000 Euro rechnen müsse.

Blick auf Naumburg: Die gewachsene historische Struktur ist noch weitgehend erhalten. Im Zuge der Dorferneuerung sollen auch Abrisse, mit denen Freiflächen geschaffen werden sollen, zunehmend als stadtplanerisches Mittel eingesetzt werden. Das Haus Zobel ist das vierte Haus von links am unteren Bildrand mit der verputzten Wand. Es hat eine Grundfläche von stattlichen 100 Quadratmetern. Fotos: Müller 

Eigentümer des Fachwerkhauses ist Jürgen Zobel. 1970 siedelte der heute 66-Jährige von Naumburg nach Hamburg um. Von einer Tante erbte er das Haus. „Seit 15 Jahren habe ich es jetzt an der Backe“, sagte Zobel am Mittwoch. Wie sind seine Pläne? Sanieren oder abreißen? „Ich werde weder das eine noch das andere wuppen können“, erklärte der Wahl-Hanseat, angesichts seiner kleinen Rente habe er keine Möglichkeiten. „Mir ist es im Endeffekt egal, was mit dem Haus passiert“, sagte Zobel weiter und betonte, dass er bereit sei, das Haus zu verschenken.

In den vergangenen Jahren „habe ich nichts unversucht gelassen“. Er wollte die seit gut zehn Jahren unbewohnte Immobilie loswerden. Angesichts des Leerstandes in der Naumburger Altstadt sei er inzwischen von Verkaufsplänen abgekommen.

Ultimatum für Zobel

Kreissprecher Kühlborn erklärte, man werde Jürgen Zobel nun ein Ultimatum stellen. Bis 1. Dezember müsse er - denn es sei Gefahr im Verzug - eine Entscheidung treffen, ob er nun sanieren oder planieren will. Ignoriere Zobel die Frist, sei der Kreis verpflichtet, „gegenüber dem Eigentümer die mildeste Maßnahme zu ergreifen“ und sie ihm in Rechnung zu stellen.

So läuft alles auf einen Abriss des denkmalgeschützten Hauses an exponierter Stelle in Naumburg hinaus. Wie Kühlborn sagte, ist laut einem Sachverständigen eine Instandsetzung des Hauses, um es wieder bewohnbar zu machen, für mindestens 100.000 Euro machbar. Aus der Dorferneuerung gäbe es dazu einen Zuschuss von 40.000 Euro.

Von Norbert Müller 

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Quelle: HNA

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