Brüssel bannt Bienenkiller: Imker sind erleichtert

Biene auf einer Kamillenblüte: Drei Pestizide, die die Bestäuberinsekten bedrohen, sollen zeitweise verboten werden. Foto: dpa

Brüssel/Wolfhagen. Fünf Jahre nach dem mysteriösen Bienensterben am Oberrhein zieht die EU Konsequenzen. Clothianidin, ein Nervengift, das damals als roter Staub über Land wehte und mehr als 10.000 Bienenvölkern den Garaus machte, wird großflächig aus dem Verkehr gezogen - einstweilen.

Im zweiten Anlauf stimmten 15 von 27 Staaten für das Verbot: Inkraftsetzen muss es die Kommission.

Henning Jeschke, Imker aus Wolfhagen, ist erleichtert: „Über diese Nachrichten bin ich sehr froh, auch wenn das hier in unserer Region wegen der eher kleinen landwirtschaftlichen Betriebe kein Problem war.“ Häufiger zum Einsatz kämen Pestizide, wie Clothianidin laut Jeschke bei der Bewirtung von Ackerland durch Großbetriebe.

Mit zwei weiteren Pestiziden soll der Bayer-Wirkstoff Clothianidin ab 1. Dezember im Anbau von Mais, Sonnenblumen, Raps und Baumwolle zwei Jahre lang tabu sein. Die Landwirtschaft nutzt die Gifte, um Saatmittel gegen Schädlinge zu beizen. Mais etwa wird so vor dem Maiswurzelbohrer geschützt. Bienen wiederum steuern diese Pflanzen besonders gerne an, um Nahrung zu suchen.

Brüssel reagiert jetzt auf Warnungen der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) vom Januar. Die Efsa sieht ein „hohes, akutes Risiko“ für Bienen durch die gebannten Nervengifte. Agrarverbände und Chemieindustrie hatten sich lange erfolgreich gegen den jüngsten Schritt gestemmt. Sie fürchten Ernterückgänge. Der Schweizer Konzern Syngenta nennt das Verbot nutzlos - die EU-Kommission solle sich besser „mit realen Gründen“ für den Bienenschwund befassen.

Damals, 2008, hatten Fachbehörden wie etwa das Julius Kühn-Institut keine Zweifel, dass am Oberrhein Clothianidin der Bienenkiller war. Offiziell als Folge dummer Zufälle: Grade machte sich der Maiswurzelbohrer in Südbaden breit - beim Versuch, den Schädling zu bremsen, wurde Saatgut mit viel zu viel Chemie gebeizt, die zudem nur schlecht an den Maiskörnern haftete und mit luftdruckbetriebenen Sämaschinen weit weg auf Wiesen und Obstbäume gepustet wurde. Von dort kam es in die Bienenstöcke.

Deutschland belegte den Gifteinsatz 2009 mit Einschränkungen. Auf EU-Ebene sei Berlin erst in letzter Sekunde zu den Verbotsbefürwortern gewechselt, sagte Martin Häusling, Europaparlamentarier der Grünen aus Bad Zwesten. Er spricht vom Durchbruch für Bienen - wobei die alte Diskussion weitergeht: Syngenta sieht das Neonicotinoid-Verbot „ohne solide wissenschaftliche Grundlage“.

Dass Bienen auch anderes droht, ist unstrittig: Varroamilbe, Nahrungsmangel, Viren und Pilze sind ebenfalls als Gefahren identifiziert. Ablenkungsmanöver? Greenpeace spricht vom „abstrusen Versuch der Chemieindustrie, die Gefährlichkeit der Gifte wegzureden“ und fordert ein Verbot nicht nur für drei, sondern sieben Pestizide. Und eine Landwirtschaft, die der Biene als wichtigem Bestäuber Überlebenschancen lässt.

Quelle: HNA

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