Nester von Rauch- und Mehlschwalben werden hessenweit gezählt

Brüten an der Hauswand

Mehlschwalbe beim Nestbau. Fotos: nh

Schwalm. Schwalben und Menschen verbindet eine Jahrtausende alte gemeinsame Geschichte. Ursprünglich waren beide Schwalbenarten ausschließlich Bewohner felsiger Gebirge. Die Rauchschwalbe brütete in Höhlen, die Mehlschwalbe an hohen Felswänden. Eine besondere Anpassung an das Brüten an blankem Stein ist ihr Nestbau: Aus hunderten kleinen Lehm- oder Schlammklümpchen kleben sie ihre Nester dorthin, wo andere Vogelnester keinerlei Halt bieten.

Mit dem Bau von Wohnhäusern und Stallungen boten sich weitere Brutplätze, die die Schwalben schnell besiedelten. So konnten die Vögel in ganz Europa brüten. Zugleich fingen die Schwalben einen großen Teil der lästigen, Krankheiten übertragenden Insekten als Futter für ihre Jungtiere.

Heute haben es Schwalben nicht leicht: Moderne Häuserfassaden ermöglichen es ihnen nicht mehr, Nester anzulegen. Kleine Bauernhöfe werden aufgegeben, Viehställe aus hygienischen Gründen versiegelt.

Immer häufiger werden sogar Schwalbennester mitten in der Brutzeit von den Hauswänden gestoßen, um einer „Verschmutzung“ vorzubeugen. Oft kommen dann die noch nackten, flugunfähigen Jungschwalben erst nach langem Todeskampf um. Unglaublich, aber wahr: Die auf unser Wohlwollen angewiesenen Frühlings- und Sommerkünder stehen mittlerweile auf der Liste der gefährdeten Vogelarten!

Karte aller Nester

Mit dem Projekt „Bauplatz gesucht!“ macht die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) auf diese traurige Situation aufmerksam. In ganz Hessen werden Rauch- und Mehlschwalbennester gezählt, um die Situation beider Arten zu analysieren.

Gerade, weil in der Schwalm noch überdurchschnittlich viele Schwalben brüten, ist es wichtig, dieses oft noch gute Zusammenleben auch in der landesweiten Kartierung darzustellen. Dazu sollte jeder Leser durch die Meldung von Schwalbennestern einen Beitrag leisten. Ziel ist, ein Netzwerk an freiwilligen Helfern zum Schutz unserer Schwalben zu errichten.

Die beiden Schwalbenarten sind einfach zu unterscheiden: Rauchschwalben, mit langen Schwanzspießen und durchgehend blauschwarz schillernder Oberseite, bauen ihre Nester innerhalb von Gebäuden oder Ställen. Ihre Nester sehen aus wie halbrunde „Näpfe“, die nach oben geöffnet sind.

Die häufigeren Mehlschwalben hingegen bauen ihre Nester an die Außenseite von Häusern und Brücken. Ihre Nester ähneln einer Halbkugel, die bis auf ein kleines Loch komplett verschlossen ist.

• Meldungen zu Schwalbenbruten sind im Internet erbeten unter: /www.hgon.de/artenschutz/schwalben/das-projek/

Von Stefan und Heinz Stübing

Quelle: HNA

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