Die Geheimnisse der Eier

Die Brut der einzelnen Vogelarten verrät viel über deren Leben

Schwalm - Ostereier begegnen uns zurzeit alltäglich beim Schmücken von Ostersträußen oder als schmackhafte Bereicherung unserer Mahlzeiten. Dabei gerät nur selten in den Blick, was uns Eier über Vögel verraten.

Die Vermehrung über bebrütete Eier mit Kalkschale ist ein Merkmal, das Vögel von allen anderen Tieren unterscheidet. Die Produktion der Eier, die einen großen Anteil am Körpergewicht ausmachen, ist für die Vogelweibchen eine gewaltige energetische Herausforderung. Pro Tag kann daher nur ein Ei gelegt werden, gerade bei größeren Arten gibt es auch mehrtägige Abstände zwischen der Ablage der einzelnen Eier. Und noch schwerwiegender: Die Eiablage führt zu einer Bindung der sonst hochmobilen, mit wenigen Flügelschlägen viele Kilometer zurücklegenden Vogeleltern an ihren Nistplatz. So gesehen stellen Nistplatzwahl sowie Zahl und Färbung der Eier die kritischsten Momente im Leben eines Vogels dar. Entsprechend vielfältig sind die Anpassungen, die Eier verraten sehr viel über das Leben der Vögel.

So lässt sich von der Anzahl der Eier direkt auf die Lebenserwartung einer Vogelart schließen. Liegen wie bei den Meisen ein- oder zweimal im Jahr jeweils bis zu 14 Eier im Nest, ist das ein Zeichen, dass durch die Bruten starke Verluste kompensiert werden müssen. So stirbt pro Jahr weit mehr als die Hälfte etwa der vorhandenen Blaumeisen; nur selten werden diese Vögel älter als drei Jahre. Auch die Stockente hat so viele Feinde, dass sie im Durchschnitt nicht älter wird als die kleinen Meisen. Folglich muss die Gelegegröße mit bis zu 13 Eiern sehr groß sein, um den Bestand zu erhalten. Arten, die nicht eine derart große Eizahl zu produzieren vermögen, lösen das Problem durch eine größere Anzahl von Jahresbruten. So legen Amseln nur bis zu fünf Eier, führen aber oft drei Bruten im Jahr durch. Türkentauben haben nur zwei Eier im Gelege, brüten dafür aber bis zu sieben Mal.

Anders ist es bei den wehrhaften Großvögeln wie Störchen, Kranichen oder Greifvögeln. Sie brüten einmal im Jahr nur zwei bis vier Eier aus, die aber ausreichen, den Bestand zu erhalten, da die Tiere oft weit älter als zehn Jahre werden. So wurde der älteste wild lebende Weißstorch 39 Jahre oder ein Rotmilan bei Fritzlar 26 Jahre alt. Nur bei unseren Haushühnern sagt die Eizahl nichts über die Lebenserwartung aus - sie sind im Hinblick auf eine hohe Legeleistung gezüchtet und produzieren über weite Abschnitte im Jahr täglich ein Ei, ohne zu wissen, dass ihr Leben auch schnell im Kochtopf enden kann. In diesem Sinne: Guten Appetit!

Von Stefan Stübing und Heinz Stübing

Quelle: HNA

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