Angeklagter soll mit großen Küchenmesser zugestochen haben

Vor Gericht: Brutaler Einbruch in der Nacht

Oberaula. Versuchter Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und versuchter schwerer räuberischer Erpressung - so lautet die Anklage vor dem Marburger Landgericht gegen einen 49 Jahre alten Mann aus Oberaula.

Seit Anfang des Jahres sitzt er in der JVA Gießen in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, in der Silvesternacht gegen 2.30 Uhr mit einem großen Küchenmesser in ein Haus in Oberaula-Hausen eingedrungen zu sein. Dort suchte er laut Staatsanwaltschaft nach Geld.

Er sei durch das dunkle Haus geirrt - so schilderte der Angeklagte die Tatnacht freimütig. Dann sei er im Schlafzimmer der Bewohner gelandet. Als er das Licht angemacht habe, sei der Ehemann aufgewacht.

Er habe, berichtete der 49-Jährige emotionslos, seinem Gegenüber das Messer an den Hals gehalten und ihn aufgefordert, ihm Geld zu geben. Mithilfe des Messers habe er den Wehrlosen zunächst aus dem Bett und dann in das Wohnzimmer dirigiert. Dort stieß er laut Anklage zu.

Diesbezüglich unterscheiden sich die Schilderungen von Opfer und dem mutmaßlichen Täter. Der Angeklagte will den Geschädigten „wohl einmal zu feste angepikst“ haben. Dieser hingegen sagte, sein Peiniger habe ihn zusätzlich festgehalten und dann zugestochen.

Das Opfer erlitt eine Stichverletzung von zehn Zentimetern Länge und sieben Zentimetern Tiefe oberhalb der rechten Niere.

Im anschließenden Handgemenge zog sich das Opfer weitere Schnitte in Gesicht und Brust zu. In der linken Hand, mit der er die Klinge umklammerte, wurden zwei Sehnen durchtrennt und ein Nerv irreparabel geschädigt, der Zeigefinger bleibt taub.

Der Einbrecher stürzte schließlich eine Terrassentreppe hinunter und flüchtete. Am nächsten Abend wurde er von einer Spezialeinheit der Polizei in seiner Wohnung festgenommen.

Nicht zum ersten Mal, denn der Mann mit dem grauen Haarkranz kam bereits viermal mit dem Gesetz in Konflikt: Brandstiftung, Körperverletzung, schwere räuberische Erpressung und sexueller Missbrauch eines Kindes - die einzige Verurteilung, die der 49-Jährige vehement bestreitet - lauten die Taten, die er sich seit 1983 hat zu Schulden kommen lassen.

Der Sachverständige attestierte ihm eine „bewegte Biographie“. Der Angeklagte sei psychisch gesund, zeige jedoch kaum emotionale Regungen, so der Gutachter. Eine sozialtherapeutische Anschlussmaßnahme nach der Haft sei in Betracht zu ziehen.

Die Verhandlung wird fortgesetzt. (hof)

Quelle: HNA

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