Sozialpädagoge bietet in Spieskappel Seminare in Buchbindung und Bilderrahmung an

Vom Buch zum Schuber

Bücher binden ist sein Metier: Der aus Heidelberg stammende Buchbinder Thomas Weil beim Arbeiten in seiner Werkstatt. Fotos: Haaß

Spieskappel. Wer schon immer einmal das alte Handwerk des Buchbindens erlernen wollte, ist bei Thomas Weil an der richtigen Adresse: Im Frielendorfer Ortsteil Spieskappel bietet der Sozialpädagoge aus Heidelberg auf seinem Bauernhof Seminare zum Thema Buchbinden, Papparbeiten und Bilderrahmung an.

Nach seinem Studium eignete sich Thomas Weil die Buchbinderei autodidaktisch an. Seit mehr als 30 Jahren führt der 57-Jährige nun schon Interessierte in das alte Kulturhandwerk ein und hat damit seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. „Ich unterrichte ausgesprochen gerne“, sagt der sympathische Heidelberger. Die Teilnehmer im aktuellen Aufbaukurs sind bunt gemischt. Von der Lehrerin aus Holland bis zur Requisiteurin aus Kiel ist alles vertreten. Wie im Handwerksunterricht in der Schule sitzt jeder für sich an einem Arbeitsplatz.

Konzentrierte Stille

Die Atmosphäre ist entspannt, im Werkraum herrscht konzentrierte Stille: Papiere werden gefalzt, zu Lagen zusammengetragen, mit Nadel und Faden geheftet. Nach Beschnitt der Kanten werden Deckel und Rücken angesetzt.

Thomas Weil ist ein Lehrer alter Schule. Statt Whiteboard und Beamer hängen hinter ihm Anschaubilder und eine klassische Kreidetafel. Nur wer den Unterricht aufmerksam verfolgt und mitschreibt, kann später auf Notizen zurückgreifen.

Die Motivation seiner Teilnehmer sei unterschiedlich, aber in der Regel gebe es zwei Typen, sagt der 57-jährige Freiberufler. Die einen hätten sich schon immer für handwerkliche Tätigkeiten begeistert und wollten sich mit der Buchbinderei neue Kenntnisse aneignen, die anderen kämen sozusagen vom Buch: „Sammler und Antiquare buchen häufig einen Kurs, um später ihre Bücher selber reparieren und restaurieren zu können.“

Erklären und zeigen

Geduldig erklärt der Buchbinder seinen Schülern die einzelnen Schritte bis hin zum fertig gebundenen Buch: Erklären, Vormachen und Nachmachen lautet die Devise im Sommerkurs unter dem Motto „Vom Buch zum Schuber“. „Mit etwas Übung ist ein Buch in drei bis vier Stunden gebunden“, sagt der Sozialpädagoge. Der Heidelberger legt wert darauf, dass seine Kursteilnehmer zu Hause das erlernte Wissen auch ohne Spezialtechnik weiter anwenden können: „Das notwendige Werkzeug kostet rund hundert Euro.“

In die Ohetalgemeinde verschlug es Thomas Weil eher zufällig. Jahrelang machte der Heidelberger in Dillich regelmäßig Urlaub. 1998 kaufte sich der Vater von zwei Töchtern in Spieskappel einen ehemaligen Bauernhof und sanierte das Gebäude liebevoll von Grund auf. Heute dient der Hof als Sommerfrische und Zweitwohnsitz für die Familie sowie als Veranstaltungsort für Seminare.

Die Teilnehmer des 225 Euro teurem Zweitagesseminars sind von ihrem Lehrer, wie auch dem Unterricht auf dem ehemaligen Bauernhof, begeistert. Christine Gebert aus Kiel ist gemeinsam mit einer Freundin nach Spieskappel gekommen.

„Ich bin hier, weil ich gern mit Papier arbeite. Das Seminar ist super, nur viel zu kurz“, so ihr knappes Fazit, bevor sie sich wieder ihrer Arbeit widmet. /www.thomas-weil-buchbinden.de

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

Kommentare