Dr. Hans-Joachim Bauer beschreibt auf 156 Seiten seine Projekte und sein Leben

Buch über Landart-Projekte: Künstler als Drillbohrer mit Botschaft

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Die kosmische Leitplanke: Alle seine Projekte ließen sich in den Zeitstrahl der 2010 bunt bemalten Leitplanke am Ende der Straße zur Hohenburg in Homberg einordnen, sagt Dr. Hans-Joachim Bauer. Der Urknall „Peng“ ist kaum noch zu erkennen. „Das ist so geplant“, sagt er.

Homberg. Der Landart-Künstler Dr. Hans-Joachim Bauer hat viele seiner Ideen verwirklicht. Einige davon sind in einem neuen Buch beschrieben.

Manchmal habe er auch blödsinnige Einfälle, sagt Dr. Hans-Joachim Bauer. 140 Projektideen hatte der Homberger Landart-Künstler in den vergangenen 30 Jahren. Bis zu 100 davon hat er umgesetzt – andere wieder verworfen. Eine Auswahl seiner Werke stellt er im Buch „Die kosmische Leitplanke“ vor. Episoden der Menschheitsgeschichte, dargestellt in Kunstprojekten, so der Untertitel.

Auf den 156 Seiten lernt man nicht nur seine Arbeiten, sondern auch Bauers Beweggründe und auch ihn, den Mann hinter (und manchmal auch inmitten) der Kunst näher kennen. Er schreibt über sich. Man erfährt, wo seine Ideen entstehen. Lernt sein Atelier, ein ehemaliger Tanzsaal in Mardorf, kennen. „Kein Bad, die Toilette auf dem Hof neben dem ehemaligen Schweinestall, im Winter zeitweise eingefroren, dann gibt´s ein Plumpsklo in der alten Hofscheune.“ Und man erfährt, dass den ehemaligen Lehrer die Zufriedenheit langweilte, weil er nicht mehr wusste, wer er war. Liest von seinem Wunsch, kreativ zu leben. „Wirklich zu existieren.“ Dabei ist er nie ausufernd.

Dankbar beschreibt er das Zusammenleben mit den Menschen in Mardorf. Da wird der, dessen Werk man beobachtet selbst zum Beobachter. Spannend wird es, wenn er den Blick auf das Werden seiner Kunst freigibt. Längst nicht alle Ideen ließen sich leicht umsetzen. Bauer stieß an logistische, bürokratische und körperliche Grenzen.

Ritt durch die Sahara 

Beim Projekt „Gang zum Orakel“, als Bauer in Tunesien, nach einem mehrtägigem Ritt durch die Sahara, starke Hüftschmerzen plagten und er von zwei Männern vom Tier herunter gehoben werden musste. Aufgeben ist nicht seine Sache. Mehrere Monate hatte er sich vorbereitet, seine Schrittlänge auf einen Meter genau trainiert, um in der Sahara die Heilige Straße des Orakels von Delphi im Sand zu beschreiten. „Da war nur Sand und Wind“, sagt er. Seine Stein-Markierungen seien schnell wieder vom Sand überdeckt worden. Durch die genaue Schrittlänge habe er sie aber wiedergefunden.

So gefahrlos wie bei der Titanic, die er 2008 in einem Feld bei Homberg erschuf oder der „Hasenjagd auf der Autobahn“ (A7 bei Melsungen) war es nicht immer. Am intensivsten und gefährlichsten war wohl die Performance „Im Friedhof des Eises“(Chile/Patagonien). Bauer treibt zwischen Eisstücken im Rio Serrano. „Vieles war beschwerlich, aber wenn ich entschlossen bin etwas zu machen, mache ich es“, sagt er. Da sei er wie ein Drillbohrer. Es gehe ihm immer um eine Botschaft. Aber: In Lebensgefahr begebe er sich nicht. Deshalb wurde aus der Idee nichts, das Kalben eines Gletschers im Eismeer von einer Gletscherhöhle zu erleben.

Seit seinem Ausstieg, der ein Einstieg in ein neues Leben war, ist der Künstler viel gereist: In Australien, Sumatra, Island, Spanien hat er Spuren in der Natur hinterlassen. Keine für die Ewigkeit, sie alle verblassen - nach und nach. „Kunst ist vergänglich. Wie unser Leben“, so der 74-Jährige. Der auf der Suche nach mehr Zufriedenheit zufriedener geworden ist - aber bedenklicher auf die Welt blickt.

• Buch: Die kosmische Leitplanke, Hans-Joachim Bauer, 14,99 Euro.

Quelle: HNA

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