Wilhelm II. frühstückte im Habichtswald – Henner Schuwirth will Erinnerung erhalten

Die Buche und der Kaiser

Ein Ort mit Geschichte: In einem Waldstück oberhalb Dörnbergs soll Kaiser Willhelm II. zu Beginn des 20. Jahrhunderts wiederholt Rast gemacht haben. Ein markanter Baum trug daraufhin irgendwann die Bezeichnung Kaiserbuche. Das Original (kleines Foto) wurde mehrfach vom Blitz getroffen. Nun hat Henner Schuwirth vom Heimat- und Geschichtsverein einen würdigen Ersatz ganz in der Nähe entdeckt, an dem die Geschichte lebendig bleiben soll. Fotos: Thon

Dörnberg. Von dem stattlichen Baum ist nicht viel geblieben: Ein kahler Stamm ohne Äste, von dem die Borke abplatzt. Gleich mehrfach soll in den vergangenen Jahren der Blitz in die Buche im Habichtswald oberhalb Dörnberg eingeschlagen haben, unter der zu Beginn des 20. Jahrhunderts die kaiserliche Familie wiederholt gefrühstückt haben soll. Eine kleine Tafel, aufgestellt vom Naturpark Habichtswald, informiert über die Begebenheit.

Nun soll die kleine Episode aus dem Leben Wilhelm II. mehr Aufmerksamkeit bekommen. Und weil der Originalbaum zwar unter Naturschutz steht, sonst aber wenig Ansehnliches zu bieten hat, hat der Dörnberger Henner Schuwirth vom Heimat- und Geschichtsverein schon eine neue, gut 200 Jahre alte Buche im Umfeld entdeckt, an der die Geschichte lebendig gehalten werden soll. Habichtswalds Bürgermeister Thomas Raue sicherte zu, den Baumriesen freischneiden zu lassen. Auch soll eine Bank aufgestellt werden.

Schuwirth kennt die Begebenheit aus allererster Hand. Seine Mutter, Elise Schuwirth, hatte als kleines Mädchen zusammen mit anderen Kindern dem Kaiser und seiner Familie mit Fähnchen zugewinkt, als dieser von Schloss Wilhelmshöhe aus mit einer zweispännigen Kutsche durch den Wald fuhr. Zum Dank erhielten die Schüler jeder einen Mohrenkopf. „Meine Mutter erzählte die Geschichte immer wieder, sie wird wohl eine Bedeutung für sie gehabt haben“, sagt der 77-Jährige. Die Bauern mussten an dem Tag des Ausfluges ihr Heu gemacht haben, denn Deutschlands letzter Kaiser hatte keine Arbeiter sehen wollen.

Unter der Buche sollen der Monarch und sein Gefolge gerastet und gepicknickt, die Kinder auf einer Wiese Ball gespielt haben. „Und die Kinder aus Dörnberg durften sogar mitspielen“, berichtet Schuwirth von den Erinnerungen seiner im Jahr 1979 verstorbenen Mutter.

Wer die Natur lesen kann, entdeckt heute noch Spuren der damaligen Landschaft: Die Spielwiese deutet sich hinter Bäumen an. Unter einem mit Brennnesseln bewachsenem Hügel liegen die Basaltfeldsteine, aus denen Bänke gebaut waren.

Für die von Gewittern gezeichnete Kaiserbuche hatte es schon einmal einen Ersatz gegeben. Doch der wurde Opfer von Kyrill. Den Standort für den zweiten Ersatz hält Schuwirth für günstig. Er befindet sich an der Weggabelung, an der sich der Horstweg von Dörnberg kommend aufsplittet. Der eine Weg führt hinauf zum Hohen Gras, der andere verläuft vorbei am ehemaligen Steinbruch Menke zur Gaststätte Silbersee.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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