Handwerkstradition seit 300 Jahren

In Büchenwerra werden Binsenstühle geflochten - Einmalig im Schwalm-Eder-Kreis

Büchenwerra. Diese Handarbeit ist einmalig in der Region und die Erzeugnisse werden sogar nach Malaysia verkauft. Es ist ein aussterbendes Handwerk, das in der Tischlerei Ebert in Büchenwerra praktiziert wird: Seit 300 Jahren werden dort Binsenstühle hergestellt.

„Früher gehörte das Binsenflechten zur Korbmacherausbildung. Diese Ausbildung gibt es aber nicht mehr“, erklärt Tischlermeister Jörg Ebert. Deshalb beherrschen auch immer weniger Menschen das Handwerk des Binsenflechtens.

Zu ihnen gehört Eva Brandenstein, die seit 17 Jahren in der Tischlerei Ebert Binsenstühle herstellt. Während im großen Raum der Tischlerei die Sägen kreischen, geht es an Brandensteins Arbeitsplatz ganz ruhig zu: Ihr Werkzeug sind ihre Hände, nur ab und zu greift sie zum Hämmerchen.

„Man sieht hinterher, was man getan hat.“

Die 35-Jährige hat in Büchenwerra ihre Ausbildung zur Tischlerin gemacht - und dabei auch das Binsenflechten gelernt. Dafür brauchte sie Geduld: „Bis da Geschwindigkeit reinkommt, braucht man schon ein halbes Jahr“, sagt sie. Heute schafft sie es in dreieinhalb bis vier Stunden, eine Sitzfläche zu beflechten. Dazu braucht sie Fingerspitzengefühl, aber auch Kraft: Die Halme müssen zwischendurch immer wieder straff gezogen werden.

„Man sieht hinterher, was man getan hat“, begründet Eva Brandenstein, warum ihr der Beruf so viel Freude macht. Klar, dass auch in ihrer Wohnung selbstgemachte Binsenstühle stehen. „Man sitzt auch sehr bequem darauf“, sagt sie und lächelt. Und ein Binsenstuhl hält, wenn er täglich genutzt wird, etwa 25 Jahre durch.

Auch danach muss man ihn nicht auf den Sperrmüll stellen, denn in Büchenwerra werden die Binsenstühle nicht nur hergestellt, sondern auch repariert. Schließlich will man die wenigen Exemplare, die es gibt, erhalten. Denn nicht nur die Binsenflechter sterben aus. Es gibt auch immer weniger Binsenbauern, die die Binsen schneiden, trocknen und verkaufen.

Sogar das Material, die Binsen selbst, wird rar. „Früher wuchsen die Binsen auch noch bei uns, an der Fulda und an der Schwalm“, erzählt Jörg Ebert. „Aber die Flüsse wurden immer weiter ausgebaggert, und damit sind die Binsen nach und nach verschwunden.“ Heute wachsen sie nur noch in Norddeutschland an der Elbe, und auch dort werden es weniger.

Export nach Malaysia

„Natürlich könnte man die Binsen auch aus anderen Ländern importieren“, sagt Jörg Ebert, „aber das würde sich wahrscheinlich nicht mehr lohnen.“ Der Preis der Binsen sei in den vergangenen Jahren bereits um 20 oder 30 Prozent angestiegen.

Trotz all dieser Schwierigkeiten setzt Jörg Ebert auch weiterhin auf das alte Handwerk des Binsenflechtens. Damit ist seine Tischlerei einmalig im Schwalm-Eder-Kreis und weit darüber hinaus. „Die meisten unserer Kunden kommen zwar aus einem Umkreis von 100 Kilometern“, sagt Ebert, „aber wir haben auch schon Stühle nach Malaysia verkauft.“

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © HNA/Féaux de Lacroix

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