Kunstschätze tauchten bei Aufräumarbeiten auf

72 Bücher und Schriften im Museum der Schwalm entdeckt

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Im Winterschlaf: Aktuell werden am Museum der Schwalm in Ziegenhain Renovierungsarbeiten im Dachbereich vorgenommen. Das Haus öffnet wieder zum Ostereiermarkt am 5. April.

Ziegenhain. Wie lange die wertvollen Schriften ein fast vergessenes Dasein in einem Wandschrank der Bodenkammer des Museums der Schwalm fristeten, ist nicht bekannt: Der Vorstand entdeckte die Kunstschätze kürzlich bei Aufräumarbeiten.

72 Exponate - mehr als 20 Bibeln, 19 Gesangbücher und erbauliche Schriften von Predigtsammlungen - wurden in den vergangenen Monaten von den ehrenamtlichen Mitarbeitern Frank und Martha Römmling gesichtet, gesäubert, identifiziert und geordnet.

„Der Fund darf als sensationell bezeichnet werden. Die Bücher sind zum Teil sehr wertvoll“, sagt der Vorsitzende des Schwälmer Heimatbundes Wolfgang Rupp der HNA gestern. Mit Mundschutz, Schutzhandschuhen, Pinseln und Reinigungstüchern habe sich das Ehepaar um das einmalige Kulturgut gekümmert und dabei erstaunliche Entdeckungen gemacht.

Mit Holzschnitten versehen

Das älteste Exponat sei ein Erbauungs- und Predigtbuch, das im Jahr 1629 in Newenstatt (Neustadt) von Hans Grüberner gedruckt wurde. Unter den Bibeln befänden sich außerdem etliche Luther-Bibeln aus dem 18. und 19. Jahrhundert. „Darin finden sich wertvolle Holzschnitte“, erläutert Kunstkenner Hans Prinz.

Sind bald zu sehen: Hans Prinz (links) und der Vorsitzende Wolfgang Rupp mit einem der insgesamt 72 Fundstücke.

Die überwiegenden Exponate sind in Schweinsleder gebunden und sollen nun nach und nach restauriert werden. Das ist auch nötig: Denn vielfach sind Einbanddeckel abgerissen, Blätter lose, die Schätze stark zerfleddert. Von Otto Wiederhold aus Ziegenhain stammt etwa ein gut restauriertes Exemplar mit kaiserlichem Privileg. Einige Funde gingen wohl noch auf die Väter des Museums, den Herren Brück und Bachmann zurück, schätzt Wolfgang Rupp. Erwähnenswert sei auch ein so genanntes Tornistertestament für Soldaten, die in den Krieg zogen. Es sei nicht datiert, stamme aber vermutlich aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Bestandsblätter angelegt

Römmlings haben für alle Funde Bestandsblätter angelegt. Im Tornistertestament findet sich auf der Einbandseite ein Hinweis auf handschriftliche Eintragungen zur Familiengeschichte, die noch entziffert werden müssten. Als Rarität gilt auch eine katholische Bibel aus dem Jahr 1865. Hierbei handelt es sich um den zweiten Band einer deutschen Prachtausgabe einer katholischen Bibelübersetzung mit 230 Stichen des fanzösischen Künstlers Gustave Doré.

„Frank und Martha Römmling haben dazu beigetragen, dass der Nachwelt dieses einmalige Kulturgut erhalten bleibt“, sagt Rupp. Demnächst werde das Ehepaar über Details der Sichtung berichten.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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