Literarischer Wettkampf in Melsungen mit dem Meister Felix Römer

Gewinner: Hakan Erbay und Steffen Schubert gewannen mit ihren Texten den Poetry Slam und fahren zum Finale nach Eschwege.

Melsungen. Überraschend ernsthaft und tiefgründig waren die Texte der Schüler und Auszubildenden der Melsunger Radko-Stöckl-Schule beim Poetry Slam. Bei dem literarischen Wettstreit zeigten sie, was sie von dem deutschen Meister im Poetry Slam, Felix Römer, zuvor gelernt hatten.

Zwei Tage arbeiteten 18 Radko-Stöckl-Schüler mit Römer in einer Schreibwerkstatt zusammen. „Die meisten haben noch nie vorher ein Gedicht geschrieben“, sagt Römer über die Arbeit mit den Nachwuchsdichtern.

Um so beachtlicher waren die Ergebnisse der Schüler. 13 Schüler trauten sich mit ihren eigenen, teils sehr persönlichen Werken, schließlich auf die Bühne.

Dass mehr in ihr steckt als Deutsch, Englisch und Mathe zeigte Jessica Kaiser. In ihrem Text schilderte sie einen Unfall mit einer betrunkenen Fahrerin, bei dem zwei Menschen starben. Ihr Fazit: „Alkohol am Steuer ist teuer.“

Krieg und Liebe

Viele Gedichte der Jugendlichen behandelten das Thema Krieg. Eine Frage, die die jungen Poeten dabei immer wieder aufwarfen, war: „Was soll das Töten?“ Vor allem das Gedicht von Hakan Erbay hinterließ bei den Zuhörern einen bleibenden Eindruck. Er erzählte von einem irakischen Jungen, dessen Familie vom Krieg zerstört wurde. Dabei sagte er immer wieder eindringlich: „Jeder Krieg ist eine Niederlage des menschlichen Geistes, so heißt es.“

Kritik an der Konsum-Gesellschaft, Liebe, wahre Freunde und und das Erwachsen werden waren weitere Themen, die die Schüler in ihren Texten aufgriffen.

Tiefe Einblicke

Der wohl persönlichste Text des Abends stammte aus der Feder von Steffen Schubert. Unter dem Titel „Zu viele Gedanken“ schien er sich sämtlichen Frust von der Seele zu reden. Von dem kaputten Verhältnis eines Jungen zu seinem Vater über Beziehungen, die in die Brüche gegangen sind, bis hin zu Selbstmordgedanken ließ sein Gedicht tief blicken.

Zwischen den Vorträgen der Jugendlichen gab die B. Braun-Azubi-Band „Die Kanülen“ mit rockigen Klängen ihr Debüt auf der Bühne. Zum Lachen brachte der Gaststar Marvin Ruppert das Publikum. Der ehemalige hessische Poetry-Slam-Meister erheiterte seine Zuhörer mit Geschichten von vermasselten Dates und seiner Bürde als Allergiker. Wegen seines großen Taschentuchverbrauchs überlegte er sich schon dieses als neues psychologisches Testverfahren einführen zu lassen. Bei dem hält man ein benutztes Taschentuch gegen das Licht und fragt: „Was sehen Sie in dem Rotz?“

Der Wettstreit an der Radko-Stöckl-Schule war Teil der Nordhessischen Schulmeisterschaften. Unterstützt wurde der Poetry Slam von dem Förderverein der Radko-Stöckl- Schule und dem NVV. Durch Applaus wurden die Gewinner des Poetry Slams, Hakan Erbay und Steffen Schubert, ermittelt. Sie fahren im Juni zum Finale nach Eschwege. „Für mich war das alles sehr neu und sehr interessant“, sagt Erbay. (yvk)

Quelle: HNA

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