Betreibergesellschaft TenneT warnt vor Ausfällen und technischen Problemen

Bürger bestehen auf Erdkabeln

Bernd Kördel

Die Verwendung moderner Gleichstromkabel und eine weitgehende Erdverkabelung forderten die Bürgerinitiativen (BI) gegen die 380-kV-Leitung nach wie vor. Das machten Ralf Wassermann, Vorsitzender der BI Hersfeld-Rotenburg, und Bernd Kördel aus Guxhagen von der BI Schwalm-Eder gegen Ende der zweieinhalbstündigen Informationsveranstaltung in Rotenburg noch einmal deutlich. Kördel forderte zudem einen Mindestabstand von Höchstspannungsleitung zu Wohnbebauung von 1000 Metern.

Die mit den Forderungen verbundenen höheren Kosten nannte Wassermann „Totschlagargument“. Durch Abschreibungen eigener Netze hätte der Stromkonzern Eon als früherer Projektträger Geld für die landschafts- und menschenschonende Verkabelung zurückstellen können.

Bei Gleichstromübertragung, Drehstrom, Hertz-Frequenzen und Strahlenbelastungen des Organismus, gemessen in Tesla-Einheiten, waren schon eher die Physiker im Publikum gefragt. Unterm Strich machte Experte Dr. Hauke Brüggemeyer deutlich, dass die Belastung (Feldstärke) durch eine in 200 Metern Entfernung liegenden Höchstpannungsfreileitung nicht höher sei als die permanenten Einwirkungen durch Strom im Haushalt. Ein Zuhörer wies darauf hin, dass sich die Belastung durch eine zusätzliche Freileitung dann auch verdoppeln würde.

Schwachstelle Muffen

Jens Siegmann von der Betreiberfirma TenneT erklärte, dass man für eine Erdverkabelung einen 45 Meter breiten Baustreifen durch die Landschaft benötige, der allerdings zurückgebaut werden könne.

Die Kabel müssten in 1,50 Meter Tiefe verlegt werden. Etwa alle 900 Meter seien Verbindungsmuffen nötig – die Schwachstellen der Leitungen. Die Technik der Drehstrom-Erdkabel werde nur selten eingesetzt, es gebe eine erhöhte Anzahl von Ausfalltagen des Netzes, weil Fehler nicht so schnell wie bei Freilandkabeln entdeckt würden. Zudem seien die Übertragungsverluste hoch. Die Möglichkeit einer Erdverkabelung ist im Energieleitungsausbaugesetz als Kann-Regelung vorgesehen.

Über die Bürgerbeteiligung im Planfeststellungverfahren, das auf das gegenwärtig laufende Raumordnungsverfahren folgt, informierte Wolfgang Weber vom Regierungspräsidium. Wenn der parzellengenaue Trassenverlauf entworfen ist, können sich die betroffenen Kommunen, Bürgerinitiativen und Privatpersonen erneut dazu äußern. Man könne auch dagegen klagen beim Bundesverwaltungsgericht – allerdings ohne aufschiebende Wirkung. (sis)

Quelle: HNA

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