Insignie der Macht für Melsungen

Wie ein Bürgermeister eine neue Amtskette aus Gold und Silber erhielt

Kostbar: Bernd Köhler, alias Justus Riemenschneider, zeigt die Amtskette.

Melsungen. Bisher stand der Melsunger Bürgermeister ohne prächtige Amtskette da, das hat nun ein Ende: In liebevoller Kleinarbeit haben zwei Juweliere eine solche geschaffen. Wie über zwei Jahre aus Gold, Silber und Topassen langsam eine Amtskette für 10.000 Euro entstanden ist, ist eine Geschichte für sich.

Stadtverordnetenvorsteher Albin Schicker hat am Dienstagabend den neu gewählten Melsunger Bürgermeister Markus Boucsein (parteilos) ernannt und vereidigt. Dabei wurde dem neuen Rathauschef eine Amtskette überreicht.

Zu festlichen Anlässen stand der Melsunger Bürgermeister bisher oben ohne da. Ihm fehlte eine Amtskette. Üblicherweise bekamen Stadtoberhäupter im Laufe der Geschichte diese Insignie verliehen. Der Melsunger Bürgermeister ist in den vergangenen Jahrhunderten leer ausgegangen. Das haben jetzt Bernd Köhler und Gerhard Schwitzki vom Juweliergeschäft Köhler in Melsungen geändert.

Mindestens 10.000 Euro ist die neue Amtskette wert. Liebevolle Handarbeit, Gold, Silber und Topase: „Wir wollen dem Melsunger Bürgermeister eine angemessene Kette schenken“, sagt Bernd Köhler. Ursprünglich war die Idee mit dem verstorbenen Bürgermeister Dieter Runzheimer und Kreissparkassenvorstand Wolfgang Rupp entstanden und besprochen. Die Kette sei ein Symbol, jetzt bekomme sie der neue Bürgermeister Markus Boucsein.

Die Kette zieren fünf Motive mit starkem Bezug zu Melsungen: abgebildet sind das Rathaus, die Bartenwetzerbrücke, der Bartenwetzer, die Stadtkriche und das Wappen. Der Schriftzug „Burgensium in Milsungen Sigill“ steht um das Stadtsiegel herum. Frei übersetzt bedeutet dies soviel wie: „Das ist das Siegel der Melsunger Bürger“.

Wie die neue Kette langsam Wirklichkeit wurde

Das schwere Siegel hängt an vielen silbernen Gliedern der Kette in die auch die anderen vier Symbole eingearbeitet sind.

Zwei Männer, eine Kette: Dienstagabend legte Parlamentschef Albin Schicker (links) dem neuen Melsunger Bürgermeister Markus Boucsein die neue Amtskette an. Foto: Grugel

• Die Herstellung: Zwei Jahre lang arbeitete Juwelier Gerhard Schwitzki parallel auch an der Bürgermeisterkette. Die Motive stammen von Fotos, die mit einem Plotter zu einem 3D-Modell verarbeitet wurden. Mit Gips und Wachs wurden schließlich Formen hergestellt, die zur Vervielfältigung benutzt werden können.

Mit Sterling Silber wurden die Formen gegossen und anschließend Teile davon vergoldet. Dann hat Gerhard Schwitzki die Motive mit Schwefelleber eingerieben. Einer Tinktur mit geheimen Rezept, die schon seit dem Mittelalter benutzt wird, um einen Effekt zu erzielen, der an Schattenwurf erinnert und den Motiven Kontrast und Tiefe verleiht.

„Mit der Kette ist uns eine wunderbares und einzigartiges Stück Juwelierkust gelungen“, sagt Köhler. Ein bisschen Stolz schwingt mit, denn dieses Projekt ist in der Tat ungewöhnlich.

Hinzu kommt: Gerhard Schwitzli hat viele alte und kaum noch genutzte Techniken angewandt, um das kostbare Stück herzustellen. Auch das schmucke Kästchen haben die Juweliere selbst gemacht. Wo dieses mal aufbewahrt werde, stehe noch nicht fest, sagt Garde. Er sei schon gespannt auf den ersten offiziellen Termin mit Bürgermeisterkette.

Ab jetzt fällt der Melsunger Bürgermeister bei Besuchen von Delegationen der Partnerstädten nicht mehr auf, weil er nicht auffällt. Denn seine Amtskollgegen tragen zu feierlichen Anlässen alle ihre Amtskette. Büroleiter Thomas Garde: „Justus Riemenschneider liegt der Humor am Herzen und die Stadt Melsungen offensichtlich ebenso.“

Die Amts- oder Bürgermeisterkette wurde dem Magistrat überreicht, der sie am Dienstagabend dem neuen Bürgermeister verlieh. Wieso es bisher keine Bürgermeisterkette für Melsungens Stadtoberhaupt gab, ist nicht bekannt. (ddd)

Quelle: HNA

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