In Viesebeck kümmern sich die Schützen um die Maibaum-Tradition

Buntes in luftiger Höhe

Fast senkrecht: Mit einem Teleskoplader wurde der Baum aufgerichtet.

Viesebeck. In vielen Orten des Altkreises Wolfhagen reckt er sich seit gestern wieder geschmückt und mit einem grünen Kranz an der Spitze an einem markanten Punkt im Dorf imposant in den Himmel: der Maibaum.

Der aus Bayern stammende Brauch des Maibaums soll allen den Zusammenhalt und auch den Wohlstand des jeweiligen Dorfes oder der Stadt signalisieren.

Im Wolfhager Stadtteil Viesebeck ist die 1701 erstmals urkundlich erwähnte Schützengesellschaft für das Aufstellen des Baumes verantwortlich, dort ist diese Tradition jedoch erst 13 Jahre alt - hat aber weiter zurück reichende Vorgeschichte.

Die Viesebecker kamen durch einen Zufall zu ihrem ersten Maibaum. 1957 besuchten die Schützenbrüder und -schwestern von der Lieth die aus dem Dorf stammende Heike Möller. Die hatte es durch Heirat in den Hünfelder Stadtteil Nüst verschlagen. Bei der dortigen Kirmes wurde damals der örtliche Maibaum versteigert, die Viesebecker boten mit, bekamen für 100 Mark den Zuschlag.

Ein mächtiger 24 Meter langer Fichtenstamm musste mit einem Tieflader aus Ost- nach Nordhessen transportiert werden. Dort kam er aber um vier Meter kürzer an. Denn auf der Autobahn stoppte die Polizei den Tieflader, bemängelte, dass der Baum zu lang sei und abgesägt werden müsse. Zum Glück hatten die Viesebecker eine Motorsäge dabei, verkleinerten den Stamm auf die von den Ordnungshütern gewünschte Länge.

Stamm verfaulte

Ein Jahr später, also 1958, wurde das Prachtstück erstmals auf dem Dorfplatz aufgestellt. Nach zehn Jahren kam das Aus: Wegen Fäulnis im Inneren des Stammes war die Standfestigkeit nicht mehr garantiert.

Die Traditionsschützen organisierten deshalb mit Vermittlung der benachbarten Landauer Schützengilde 2002 einen neuen Maibaum aus dem Wald der Waldecker Dominalverwaltung: eine Douglasie. Nach Bearbeitung des Stammes war der neue Maibaum 18,5 Meter hoch und rund 1,1 Tonnen schwer.

Dieser Baum wurde, versehen mit einem Girlanden geschmückten neuen Kranz, gestern von einem Teleskoplader wieder einmal in der Dorfmitte aufgerichtet.

Marsch zum Maifest

Anschließend marschierten die Viesebecker mit Kind und Kegel zum traditionellen Treffen mit den Schützen aus Landau und Lütersheim zum gemeinsamen Maifest an der Dreieinigkeitseiche auf den Schwarzenberg im so genannten Hessenholz (Bericht folgt). (zih)

Quelle: HNA

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