Busfahrer klagt über zu enge Fahrplanvorgaben: Druck auf Fahrer hoch

Schwalm. Immer straffere Fahrpläne und zu hohe Erwartungen der Fahrgäste: Ein Busfahrer aus dem südlichen Landkreis, der anonym bleiben möchte, machte sich in einem Gespräch mit der HNA Luft.

Angestoßen durch unsere Berichterstattung über einen unzuverlässigen Subunternehmer der RKH, fordert er mehr Verständnis für die Busfahrer. Der steigende Konkurrenzdruck unter den Subunternehmen gehe zudem auf Kosten der Sicherheit.

"Fünf-Minuten-Garantie des NVV? Darüber lacht sich jeder Busfahrer tot", sagt der Mann. Er und seine Kollegen bemühten sich zwar darum, pünktlich die Haltestellen anzufahren, aber die Verkehrssituation lasse dies nicht immer zu. Im Schwalm-Eder-Kreis gebe es weite Strecken für die Busse zurückzulegen. "Da können Sie nicht minutengenau kalkulieren. Es fehlt der Spielraum in den Fahrplänen."

Die Verantwortung für die Situation sieht der Busfahrer bei den verantwortlichen Planern: "Beim NVV und anderswo sitzen Leute, die keine Ahnung haben, wie der Alltag eines Busfahrers eigentlich aussieht."

Text aktualisiert um 18 Uhr

Auch das Unverständnis einiger Fahrgäste verärgert den Mann. Wenn ein Fahrer wegen Glatteis entscheide, den Schulbus aus Sicherheitsgründen stehen zu lassen, gebe es sofort Beschwerden. Die Leute machten dann Druck beim Busunternehmen und dies gebe den Druck an seine Fahrer weiter. Er selbst habe schon beobachtet wie Fahrer trotz Glatteises unterwegs waren. "Aber wenn ein Bus im Graben landet, dann ist das Geschrei groß."

Mike Stämmler, Geschäftsführer des Nahverkehr Schwalm-Eder (NSE), kann die Kritik an angeblich knapp kalkulierten Fahrplänen nicht nachvollziehen. Die Pläne seien in den vergangenen Jahren keinesfalls straffer geworden. "Würden wir verdichten, gäbe es am Ende nur mehr Verspätungen. Warum sollten wir das tun?" Zudem gebe es klare Regeln für den Fall, dass Fahrzeiten regelmäßig nicht eingehalten werden könnten. Die Fahrer seien aufgefordert, Behinderungen, etwa wegen längerfristiger Baustellen, zu melden. Daraufhin würden die Fahrpläne angepasst.

Zur Fünf-Minuten-Garantie im NVV-Gebiet sagt Stämmler: Die 10-Minuten-Garantie, wie es sie etwa im Rhein-Main-Verkehrsverbund gebe, liege "eher im Bereich des Erreichbaren".

Von Seiten des NVV heißt es, dass es 2005 mit der europaweiten Ausschreibungspflicht für Busverbindungen Veränderungen bei den Linien gegeben habe. Dabei gehe es auch um Wirtschaftlichkeit. Pauschal zu behaupten, dass die Fahrpläne gestrafft wurden, stimme aber nicht, sagt NVV-Sprecherin Sabine Herms. Aufgabe sei, dass günstigste und qualitativste Angebot der Busfirmen auszuwählen. Dabei würden sehr wohl die Bedürfnisse der Fahrgäste und Fahrer berücksichtigt. (bal)

Quelle: HNA

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