Gefährliche Strecke

Busfahrer kritisiert schlechten Straßenzustand im Raum Felsberg

Die Straßen im Felsberger Stadtgebiet sind in schlechtem Zustand: Busfahrer Mario Martin erlebt das jeden Tag. Unser Foto zeigt ihn an der Haltestelle in Beuern. Foto: Féaux de Lacroix

Felsberg. Mario Martin hat kein gutes Gefühl, wenn er den Bus über die schmalen Straßen rund um Felsberg lenkt. Das Fahrzeug ruckelt über Huckel und Schlaglöcher, der Straßenbelag ist in einem schlechten Zustand.

„Ich mache mir Sorgen um die Sicherheit meiner Fahrgäste, vor allem, wenn Schulkinder an Bord sind“, sagt der 40-Jährige. „Als Busfahrer trägt man doch die Verantwortung für die Menschen, die man transportiert.“

Seit drei Jahren sitzt Martin als Busfahrer am Steuer der Linie 400, die von Hessisch Lichtenau über Spangenberg, Melsungen, Felsberg und Wabern nach Fritzlar und wieder zurück fährt. Aber an die Felsberger Straßen hat sich der 40-Jährige aus Eschwege immer noch nicht gewöhnt. „Als ich die Strecke zum ersten Mal gefahren bin, habe ich gedacht, ich hätte einen Platten - so sehr hat der Bus hin- und hergeschaukelt“, erinnert sich Martin. Nur in Gensungen seien die Straßen in gutem Zustand: „Das ist das Vorzeigestück von Felsberg.“

Bei trockenem Wetter kommt der Busfahrer noch ganz gut zurecht. Immerhin fährt er die Strecke täglich zwei Mal, und das fünf Mal pro Woche. „Das hat den Vorteil, dass ich mittlerweile weiß, wann die Löcher im Asphalt kommen“, sagt er und lacht. Ungemütlich werde es vor allem, wenn es regnet oder gar schneit. „Bei Regen habe ich immer zehn, zwölf Minuten Verspätung, weil es dann zu gefährlich wäre, auf diesen Straßen 70 Stundenkilometer schnell zu fahren“, erklärt Martin und zeigt auf die Fahrbahn, die verdächtig glänzt: „Man sieht schon, dass der Belag gar keine Struktur, keinen Griff mehr hat.“

Wie eine Fahrt bei Regen enden kann, hatte im vergangenen Jahr ein anderer Busfahrer erlebt: Auf regennasser Fahrbahn war ein Bus bei Lohre von der Straße abgekommen und erst in einem Acker zum Stehen gekommen. „Damals hat man dem Busfahrer die Schuld gegeben“, sagt Martin. „Natürlich ist in solchen Fällen immer der Fahrer schuld - und nie der Straßenbelag.“

Im Winter werde auf der Strecke nicht einmal gestreut: „Ich habe es schon erlebt, dass ich mit dem Bus den Berg förmlich runtergerutscht bin“, erzählt Martin. „Da habe ich dann aber an der nächsten Haltestelle angehalten und bin nicht mehr weitergefahren.“ Die Schulkinder, die in dem Bus saßen, mussten von ihren Eltern abgeholt werden.

„Ich bin immer froh, wenn ich mit dem Bus aus Felsberg raus bin“, sagt Martin. Nur dort, schildert er, sei der Straßenzustand so katastrophal: „Zwischen Melsungen und Hessisch Lichtenau ist die Strecke wie gebohnert.“

Das sagt Hessen Mobil:

Zu den Straßen, deren Zustand Busfahrer Mario Martin kritisiert, gehören unter anderem die Landesstraßen L 3220 in der Ortsdurchfahrt Felsberg sowie die L 3426 zwischen Felsberg und Niedermöllrich. Für deren Instandhaltung ist das Land Hessen zuständig. Beide Straßen wurden nach Angaben von Hessen Mobil-Sprecher Gerd Bohne zuletzt in den 1980er-Jahren erneuert. Seitdem habe die zuständige Straßenmeisterei zwar weitere kleine Instandsetzungsarbeiten vorgenommen, diese seien aber zeitlich nicht erfasst worden.

Wann die Straßen das nächste Mal erneuert werden, könne man noch nicht sagen. Denn welche Straße wann saniert wird, entscheidet die Landesregierung anhand verschiedener Faktoren. Ein wichtiges Kriterium ist laut Bohne der Straßenzustand: Griffigkeit, Unebenheiten, Spurrinnentiefe, Risse und Flickstellen werden alle vier Jahre von externen Firmen erfasst. Hinzu kommen weitere Kriterien, etwa wie stark der Straßenabschnitt befahren ist. Eine Rolle kann auch spielen, ob an einer Straße beispielsweise Kanalarbeiten notwendig sind - denn dann ist es sinnvoll, bei der Gelegenheit auch den Straßenbelag zu erneuern. Diese und viele weitere Kriterien fließen ein in eine Prioritätenliste aller Straßenbauprojekte. Diese werde Ende des Jahres vorliegen, sagte Bohne. Welche Projekte dann aber 2015 umgesetzt werden, hänge auch vom Haushaltsbudget des Landes ab.

Das sagt der Bürgermeister:

Busfahrer Mario Martin beklagt auch die schlechte Beschaffenheit der Straße zwischen Beuern und Gensungen. Für deren Instandhaltung ist die Stadt Felsberg zuständig. „Das ist eine ältere Straße“, sagt dazu Bürgermeister Volker Steinmetz, „wir sind immer wieder dran, dort Ausbesserungen zu machen.“ Wenn es dort problematische Stellen gebe, solle der Busfahrer dies der Stadt melden.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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