Psychologin: Tatsächlich noch mehr Schüler betroffen

75 Bußgelder für Schulverweigerer

Schwalm-Eder. In 84 Fällen hat das Staatliche Schulamt in Fritzlar im vergangenen Jahr ein Bußgeldverfahren wegen Schulverweigerung eingeleitet, in 75 Fällen wurde ein Bußgeld verhängt, das höchste lag über 500 Euro.

Die nackten Zahlen sagten jedoch wenig über den Umfang des Problems aus, sagte Carmen Grebe-Degtoumda, Schulpsychologin beim Schulamt. Tatsächlich betreffe es mehr Schüler.

Die tatsächliche Zahl lasse sich nur schätzen, erläuterte die Psychologin. Eine Studie gehe davon aus, dass das Problem bereits fünf Prozent aller Schüler in Grund- und Vorschule betreffe. Man könne drei Gründe für die Schulverweigerung annehmen: • Schulangst wegen der Bedingungen in der Schule, zum Beispiel Mobbing. • Schulphobie wegen Ablösungsproblemen von der Familie. • Schulverweigerung wegen fehlender Motivation und Unlust.

Optimal sei es, wenn die Schule bereits früh reagiere und die Schüler, die nicht kommen, angesprochen werden. Bei etwa der Hälfte zeige das Wirkung.

In besonders schwierigen Fällen werden die Schulpsychologen herangezogen. Zunächst werde der Kontakt mit allen Beteiligten gesucht, sagt Grebe-Degtoumda. Die Lebensbedingungen der Schüler müssten erkundet werden, in der Familie und in der Schule.

Die Ursachenforschung ist schwierig, das sich die Gründe bündeln: „Es ist oft sehr schwammig.“ Ist das Hauptproblem ermittelt, müsse gefragt werden: „Was brauchen die Jugendlichen, um sich Schule wieder zuzutrauen?“

Dabei seien die Psychologen behilflich. Bei Mobbing kann ein Gespräch mit der Klasse angezeigt sein, in anderen Fällen eine Therapieempfehlung für die Familie und Beratung für die Lehrer. Grundsätzlich gelte die Devise: „Es gibt für jedes Kind die Möglichkeit, den richtigen Dreh zu finden.“ HINTERGRUND/ZUM TAGE

Quelle: HNA

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