Café Zeitlos klärt auf über Demenz - Umfrage im Altkreis gestartet

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Sind immer dankbar für neue „alte Schätze“: Die Sozialpädagoginnen Brigitte Voss (links) und Karin Zipperer-Heinemann mit Gegenständen aus der Vergangenheit einiger Demenzkranker.

Wolfhagen. Wer ist der Mensch, der mich seit vielen Jahren jeden Morgen weckt? Warum stehe ich in der Küche? Und was ist das eigentlich für ein rotes Licht auf der Herdplatte?

Immer mehr Menschen leiden bundesweit an Demenz: Erst langsam, kaum spürbar, dann immer gravierender und kaum aufzuhalten verschwinden Kurzzeitgedächtnis, Denkvermögen, die Sprache und die Motorik. Schon bald können die Betroffenen nicht mehr allein gelassen werden. In der Wohnung vergessen sie, dass sie den Herd eingeschaltet haben, in der Stadt irren sie ziel- und hilflos umher und ernten dafür oft Unverständnis ihrer Mitmenschen.

Aus diesem Grund haben die Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer des Café Zeitlos, einem Demenzprojekt vom Diakonischen Werk Wolfhagen-Hofgeismar, nun eine Umfrage zum Thema Demenz in der Bevölkerung gestartet.

„Wir wollten wissen, was die Menschen überhaupt unter Demenz verstehen. Welche Erfahrungen sie damit haben und was sie sich von der Gemeinde wünschen würden, wenn sie selbst einmal dement werden“, erklärt Diplom-Sozialpädagogin Karin Zipperer-Heinemann.

„Für viele Menschen war die Enttabuisierung und mehr Aufklärung ein vorrangiges Thema. Gefolgt von Verständnis, Unterstützung und Rücksichtsnahme“, weiß Zipperer-Heinemann zu berichten.

Auf die Frage, was Freunde, Bekannte und Nachbarn dazu beitragen können, Menschen mit Demenz ein Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen, wurde auf mehr Toleranz und Weiterbildungsschulungen verwiesen. „Denn nur wer das Krankheitsbild versteht, kann auch den Menschen verstehen“, weiß Kollegin Brigitte Voss.

„Auch wenn die Betroffenen nicht mehr wissen, wer vor ihnen steht – Gefühle bleiben bis zum Schluss“, sagt Voss weiter.

Denn mit Worten könne man Betroffene nicht immer leicht beruhigen, sondern vielmehr mit Verständnis und Geduld. „Man muss immer daran denken, dass Demenzkranke nicht alles verstehen, manchmal aber auch mehr, als man denkt“, zitiert die Pädagogin die Verse eines unbekannten Autors.

„Versorgung und Betreuung eines Menschen, der an Demenz erkrankt ist, zählen zu den intensiven Aufgaben in der Pflege“, erklärt Zipperer-Heinemann. Demnach sind Angehörige oftmals rund um die Uhr gefordert und übernehmen häufig die gesamte Pflege alleine.

„Je schlechter es dem Demenzpatienten geht, desto mehr geraten Angehörige körperlich und seelisch an ihre Grenzen“, weiß die Pädagogin. „Viele Pflegende stellen zu hohe Ansprüche an sich und verzweifeln still an ihrer Aufgabe.“

Deshalb sollten Angehörige nicht zögern, jede Hilfe in Anspruch zu nehmen, die sie bekommen können. Denn Sie sind nicht allein: Tausenden anderen geht es genau so.

Von Melanie Triesch

Quelle: HNA

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