Interview: Calmund wäre lieber 50 Kilo leichter

Der Rentner mit den 13 Jobs: So hat die Tageszeitung „Welt“ Reiner Calmund genannt. Er glaubt, bei genauer Zählung könnten es sogar noch mehr sein. Foto: Dellit

Borken. Reiner Calmund, Ex-Bundesligamanager, Fernsehstar und Genießer, spricht im HNA-Interview über seine Familie, den Fußball und seinen 66. Geburtstag.

Wenn er einmal gestartet ist, läuft Reiner Calmund wie ein Aufziehmännchen und redet, bis man ihn unterbricht: unterhaltsam, anekdotisch und voller Gefühl. In der Stadtsparkasse Borken referierte Calmund am Mittwoch über „Kompetenz und Leidenschaft" und gab der HNA ein Interview.

Herr Calmund, was ist eigentlich Ihr Beruf? Ex-Fußballmanager ja wohl nicht? 

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Reiner Calmund: Die „Welt“ hat ja mal geschrieben: Der Rentner mit den 13 Jobs. Ich bin nicht der Typ, der sagt: Jetzt gehe ich in Rente, jetzt gehe ich angeln, Rosen züchten oder Hecken schneiden.

Ich hatte schon das Gefühl, ich muss noch ein bisschen im roten Bereich drehen. Deswegen sind die 13 Jobs nicht ganz falsch. Wenn man mühselig anfängt zu zählen, kommt man vielleicht noch auf mehr.

Was mir ganz gut gelungen ist: Ich habe jetzt mehr Zeit für meine Frau, wir haben vor zwei Jahren ein Kind aus Thailand adoptiert: Nicha ist unser Sonnenschein, meine Prinzessin.

Wenn Sie heute nochmal Fußball-Manager werden könnten, welcher Verein würde Sie reizen? 

Calmund: Leverkusen und Köln waren ja zwei Vereine, die ich unheimlich mochte. Mein Stiefvater war aber großer Schalke-Fan, und so war ich auch lange Jahre Fan der Blau-Weißen, ohne jemals auf Schalke gewesen zu sein. Vor rund 20 Jahren hatte ich von Köln und Schalke ein Angebot, als Manager einzusteigen. Das hat mich unheimlich stolz gemacht, aber ich fühlte mich meinen Freunden bei Bayer 04 verpflichtet, also sagte ich bei zwei großen Klubs ab.

Könnte Sie Schalke heute reizen? 

Calmund: Nein. Die Bundesliga verfügt über erstklassige junge Manager. Auch zu meiner Zeit gab es keine One-Man-Show mehr. Allerdings war es so: Wenn ein Transfer nicht funktioniert hat, habe ich meinen Kürbis rausgehalten. Wenn es geklappt hat, habe ich gesagt: Gute Leistung von der Scouting-Abteilung und den Trainern.

Wenn Sie Leverkusen heute spielen sehen, juckt es Sie dann noch in den Fingern? 

Calmund: Ich werde ja jetzt 66 am Sonntag. Fußball war schon ein großer Teil meines Lebens. Ich hasse Feierlichkeiten vor 400, 500 Leuten. Das mache ich nicht mehr.

Diesmal feiere ich dreimal mit mit zwölf bis 15 Personen, wovon jeweils 80 Prozent Bayer-04-Wurzeln haben. Am Sonntag starten wir bei der Köchin Lea Linster. Da sind unter anderem meine langjährige Chefsekretärin von Bayer Leverkusen und ihr Mann dabei - sie war eigentlich mein Chef, der langjährige Sportchef der Bayer AG und dicke Freunde, das hat nichts mit Fußball zu tun.

Sie sind ja - nicht zuletzt durch Ihre vielen Fernsehauftritte - eine öffentliche Person. Wie anstrengend ist das?

Calmund: Meine Adoptiv-Tochter habe ich über einen Anwalt massiv abgeschottet. Ich wollte nicht, dass sie abgelichtet wird. Bei mir wird aber das Kind nicht verleugnet.

Ich genieße das öffentliche Leben, den gewissen Bekanntheitsgrad. Schön ist es für mich, wenn der siebenjährige Junge „Calli!“ ruft und die 80-jährige Oma auch. Was aber dazu gehört ist, dass ich nicht sage: Autogramme und Fotos habe ich nicht so gerne.

Sie vermarkten ja nicht zuletzt auch Ihr Gewicht. Nervt es manchmal, wenn man immer nur als der dicke, gemütliche Genießertyp gilt? 

Calmund: Ich hätte lieber 50 Kilo weniger. Aber ich habe das Gewicht und muss damit leben. Meine Lebensphilosophie: Schenk’ den Jahren nicht mehr Leben, sondern dem Leben mehr Jahre.

Ich mag keine Körner, keinen mageren Joghurt und kein geschmackloses Grünfutter. Was aber klar ist: Ich gehe regelmäßig zum Arzt. Mein Gewicht stammt nicht von den Genen, sondern höchsten vom zu-viel-zum-Kühlschrank-Gehen. Wenn der Arzt sagt: Wenn Du das nicht abstellst, bist Du bald beim lieben Gott oben, dann würde ich auch Grünfutter, die Körner und den mageren Joghurt essen.

Aber das Gewicht gehört schon zur Vermarktung dazu, oder? 

Calmund: Ich würde die „Kocharena“ auch mit 20, 30 Kilo weniger machen. Ich habe aber sicherlich aufgrund meiner Gewichtsklasse einen sehr hohen Wiedererkennungswert. Wenn Verona Pooth durch den Raum geht, und es ruft einer: „Hallo, Verona!“, kann es sein, dass die sagt: „Nee, ich bin Kati Müller aus Bottrop.“ Es laufen viele mit Oberweite rum. Wenn ich durch den Raum laufe, dann bin ich es auch wirklich.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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