Angebot von Zweckverband: Eigentümer von verwaisten Gebäuden bekommen Hilfe

Klaus Stiegel

Kreisteil Melsungen. Eigentümer leer stehender Häuser im Kreisteil Melsungen bekommen in den nächsten Tag Post vom Zweckverband Mittleres Fuldatal. Dort liegt ein Kataster vor, in dem 236 leere Gebäude erfasst sind.

Inhalt des Schreibens ist ein Angebot, den künftigen Verwendungszweck und die Möglichkeit eines Verkaufs zu prüfen. Schlüssel dazu ist eine Verwertungsanalyse. In einem Gutachten wird der Wert der Immobilie ermittelt. Die Kosten der Gutachten in Höhe von 200 Euro übernimmt der Zweckverband.

Seit 2008 befasst sich der Zweckverband mit dem Thema Leerstände. Nach drei Jahren Vorbereitungsarbeit kommt nun Bewegung in die Sache.

„Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels versuchen wir, der Situation der Leerstände zu begegnen“, sagte Herbert Vaupel, Bürgermeister in Malsfeld und Vorsitzender des Zweckverbands. Ziel sei, die Zentren zu stärken und junge Familien in die leer stehenden Häuser zu bekommen.

Diese Initiative fußt auf einem Beschluss der jüngsten Verbandsversammlung des Zweckverbands. Eigentümern bzw. Eigentümergemeinschaften wird angeboten, einen Kooperationsvertrag mit Immobilien König in Homberg zu schließen, der nach einem definierten Wertermittlungsverfahren ein Verkehrswertgutachten erstellt. In dieses Gutachten fließen Punkte wie die bauliche Situation ebenso ein wie das Umfeld und die Verkehrsanbindung oder soziale Infrastruktur – Dinge, die für junge Familien von Interesse sind.

Gerade Eigentümer, die nicht mehr in der Region leben, haben oft überzogene Preisvorstellungen, meinte Vaupel. Die Eigentümer bekommen ihr Gutachten in die Hand und können überlegen, ob sie ihre Immobilie selbst vermarkten, eine Immobilienplattform oder die Zeitung nutzen oder König Immobilien beauftragen wollen.

„Es ist ein Angebot, jeder kann selbst entscheiden“, sagt Klaus Stiegel, Geschäftsführer des Zweckverbands Mittleres Fuldatal. Man greife nicht in die Rechte der Eigentümer ein, und auch nicht in deren Daten. Man wolle nur Hilfestellung leisten. Ob sie das Angebot nutzen wollen oder nicht, das können die Adressaten in einem Antwortbogen vermerken, der bis 15. November zurückgeschickt werden soll.

„Je mehr Leerstände in einer Gemeinde, desto mehr entsteht eine Situation, die nicht mehr zu steuern ist.“

Mit einem speziellen Computerprogramm der Firma Softplan wurden für das Pilotprojekt leer stehende Häuser und Gebäude in den Kommunen, die dem Zweckverband angeschlossen sind, erfasst. Das sind Felsberg, Melsungen, Spangenberg, Malsfeld und Morschen, berichtete Marion Karmann, Regionalmanagerin des Zweckverbands

Teilweise entstehen durch Leerstände unschöne Bilder in den Gemeinden, sagte Vaupel. Möglicherweise könne diese Aktion ein Anstoß für Eigentümer sein, ihre Immobilie zu renovieren oder zu sanieren – oder zu verkaufen. Vaupel: „Je mehr Leerstände in einer Gemeinde, desto mehr entsteht eine Situation, die nicht mehr zu steuern ist.“

„Wir wollen etwas anstoßen, betreten selbst Neuland“, erklärte Klaus Stiegel. Möglicherweise müsse man noch Korrekturen in der Vorgehensweise vornehmen. Aber ohne solch eine Initiative, befürchtete er, „würde die Sache weiter vor sich hin schlummern“. Zumal Immobilien in Zukunft, betrachtet man die demografische Entwicklung, finanziell nicht mehr interessanter werden. (zal)

Quelle: HNA

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