Hede Wetscher aus Schönstein feiert heute 101. Geburtstag – Gefeiert wird mit der Familie

Mit dem Charme des alten Wiens

Freut sich auf ihre Gratulanten: Die gebürtige Wienerin Hede Wetscher aus Schönstein blickt auf 101 Lebensjahre zurück. Foto: Rose

Schönstein. Turnen, Violine spielen und Motorrad fahren: Das waren die liebsten Hobbys der jungen Hede Wentscher. Auch in ihrem Beruf als Säuglingsschwester ging die gebürtige Wienerin auf. Doch der Krieg riss nicht nur die Familie auseinander, auch ihrer Heimat Mährisch-Schönberg musste die junge Frau den Rücken kehren. An all das erinnert sich die Wahl-Schönsteinerin noch genau. Manchmal denkt sie mit Wehmut zurück, sagt aber auch: „Ich hatte eine wunderbare Kindheit.“ Heute feiert Hede Wetscher 101. Geburtstag.

Geboren wurde die Jubilarin in Wien. Den Vater verlor sie mit sechs, die Mutter starb, als sie 16 war. Danach wuchs Hede Wetscher bei den Großeltern in Müglitz im Sudetenland auf. Dort lernte sie den Beruf der Säuglingsschwester. 1932 heiratete Hede Wetscher einen selbständigen Kaufmann und zog nach Mährisch-Schönberg.

1940 und 42 kamen die beiden Töchter zur Welt. 1946 – ihr Mann war im Krieg – wurde die Familie vertrieben und landete schließlich in Hessen. „Die Jahre des Existenzaufbaus waren sehr, sehr hart“, beschreibt die 101-Jährige die Situation in Deutschland. „In das zerbombte Land kamen ja plötzlich 14 Millionen Menschen, die auch nichts hatten.“ Hede Wetscher arbeitete bei den umliegenden Bauern in Densberg, bevor sie 1947 so schwer erkrankte, dass sie zunächst nicht transportfähig war. Ihre Kinder mussten kurzfristig von fremden Leuten betreut werden. Das Familienoberhaupt kam erst drei Jahre später aus russischer Kriegsgefangenschaft. Der gelernte Kaufmann begann wieder mit der Arbeit, richtete der Familie nach und nach wieder ein Nest ein.

Wetschers kauften ein Teil der früheren Eisenschmelzhütte, wo Hede Wetscher heute mit ihrer Tochter, dem Schwiegersohn sowie dem Enkel und seiner Familie zusammen lebt. 1983 verstarb Hede Wetschers Ehemann. „Quasi noch an den Folgen der Kriegsgefangenschaft“, sagt sie. Die 101-Jährige hat drei Enkel und drei Urenkel. Gern erzählt Wetscher von ihrer alten Heimat, die sie übrigens nie mehr wieder besucht hat. Von Motorradtouren, wo sie als Sozius ihren schnittigen Gatte begleitete. Vom Turnverein, dessen Übungsstunden sie mit Hingabe besuchte. Als der Krieg kam, waren ihre pflegerischen Fähigkeiten gefragt: Bis 1945 habe sie Verletzte von der Front im Lazarett betreut.

Heute „pult“ Hede Wetscher noch ab und zu „am Grundstück umher“ „Ich hab immer gedacht, wenn ich alt bin, habe ich Zeit für Hobbys – aber mittlerweile sehe ich so schlecht“, erzählt sie. Viele Jahre gehörte insbesondere das Handarbeiten zu ihren liebsten Freizeitbeschäftigungen. Ihre Stickereien sind so akkurat wie die einer Maschine.

„Das ich mal so alt werde, hätte ich nie geglaubt“, sagt Hede Wetscher. Dass das ein Grund zum Feiern ist, findet sie aber immer noch. Heute erwartet sie Verwandte und Freunde zuhause in Schönstein. Und freut sich darauf.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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