Gudescher Saal: Vor 100 Jahren eingeweiht, vor 20 Jahren als Stadthalle neu eröffnet

Charme des Jugendstils

Der Gudesche Saal in Homberg: Vor 100 Jahren wurde das Jugendstilgebäude mit viel Pomp als privater Gasthaussaal eingeweiht (oben). Vor 20 Jahren erlebte es nach umfangreicher Sanierung seine Neueröffnung und ist wieder ein Schmuckstück (Fotos unten). Fotos: privat/ula

Homberg. Am 7. November 1874 eröffnete der aus der Homberger „Freiheit“ stammende Lohgerber Justus Gude in der heutigen Ziegenhainer Straße eine „Schankwirtschaft“, die schon bald in Stadt und Land einen guten Namen hatte. Nach dem Gründer übernahm dessen Sohn Ludwig die Gaststätte, 1934 trat der Enkel, genannt „Guden Justus“, in den Betrieb ein.

Im Juni 1911 gab der Besitzer Ludwig Gude im Homberger Kreisblatt bekannt: „Die von mir betriebene Gastwirtschaft führe ich von heute ab unter dem Namen Restaurant Stadtpark.“

In den Jahren 1909 bis 1911, als die Zeit des Jugendstils sich bereits ihrem Ende näherte, errichtete Gude an sein vorhandenes Wohnhaus mit Gastwirtschaft unter hohem finanziellen Aufwand einen Saal, der von seiner Räumlichkeit und Ausstattung weit über Hombergs Grenzen hinaus Beachtung fand.

Auch 1911 hatte es schon in der Bauausführung und durch ständig neue Bauvorschriften immer wieder Verzögerungen gegeben. Die Einweihung wurde dann aber auf den 21. Oktober 1911 festgesetzt. „Was lan-ge währt, wird endlich gut!“ war damals unter „Locales und Provinzielles“ im Homberger Kreisblatt zu lesen.

Für die Planung und Ausführung des Saalbaus waren die Architekten Gebrüder Langenberg aus Kassel verantwortlich, ebenso für die auch 1911 erbaute Taubstummenanstalt (heute die Hermann-Schafft-Schule).

Die Einrichtung des Saales war der Neuzeit entsprechend mit allem „Comfort“ ausgestattet. Wer den Bau betritt, der wird beim ersten Blick gefangen von der Kuppeldecke, ihrer strengen Ornamentik, von einem Saal, der Licht ausstrahlt, bei aller Strenge der Formen Leichtigkeit verströmt. Sehr praktisch und vorteilhaft ist die Galerie angelegt, von der man einen freien Blick auf die Bühne hat.

Zahlreiche Konzerte und Theateraufführungen mit namhaften Künstlern folgten in den Jahren nach der Eröffnung. Während des ersten Weltkrieges, wurde es ruhiger im Stadtpark. Im Juli 1923 verkaufte Ludwig Gude den Saal mit allen Nebengebäuden an den Homberger Unternehmer und Schmiedemeister Heinrich Morgen. Dieser verkaufte im Juni 1928 das Grundstück mit Gebäuden an die „An- und Verkaufsgesellschaft Hessenland GmbH“, später Raiffeisen. 1976 wurde das Anwesen von der Familie P. Breiding erworben, die es dann an die Stadt Homberg verkaufte.

Jahrzehntelang wurde der Saal als Lager genutzt. Nach der wechselvollen Geschichte übernahm die Stadt Homberg das Saalgebäude, modernisierte und erweiterte es von 1988 bis 1991 mit finanzieller Hilfe des Landes Hessen zu einer Stadthalle. Im April 1991 wurde der „Gudesche Saal“ als Stadthalle eröffnet.

Dieser Bau, für rund sieben Millionen Mark (3,5 Mio. Euro) saniert, stellt in seiner sparsamen, geometrischen Formensprache für den nordhessischen Raum das einzige bekannte Beispiel seines Typus dar. So formulierte knapp und sachlich das Landesamt für Denkmalpflege anlässlich der Verleihung des hessischen Denkmalschutzpreises 1991.

Nach 42 Monaten Bauzeit entstand ein Saal mit Charme und Ausstrahlung. Die Handschrift des Frankfurter Architekten und Jugendstil-Fachmannes Jochen Jourdan ist überall zu finden.

Von Oskar Breiding

Quelle: HNA

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