Nachruf: Der Vereingründer und Zimmermeister Herbert Lambrecht starb im Alter von 92 Jahren

Ein Chef mit Herz und Stimme

So ist er vielen in Erinnerung: Herbert Lambrecht, Ehrenobermeister der Zimmererinnung Schwalm-Eder. Foto: privat

treysa/Frankenberg. Harte Arbeit, abends Gäste, saure Wochen, frohe Feste: Das war das Lebensmotto von Herbert Lambrecht, der am 7. September in Frankenberg gestorben ist.

Herbert Lambrecht wurde am 28. August 1919 in Greifenberg in Pommern geboren und wuchs dort auf. Im Anschluss an den Besuch der Höheren Knabenschule in Greifenberg absolvierte er eine Ausbildung zum Zimmermann.

1939 heiratete er Erika Lambrecht, geborene Elert. Im gleichen Jahr wurde Tochter Margrit (Heinze) geboren, 1944 kam Sohn Wolfgang zur Welt und 1949 folgte Tochter Christa (Kirschner).

Das Elend des 2. Weltkrieges traf auch die junge Familie. Herbert Lambrecht wurde als Soldat schwer verwundet, seine Frau musste auf der Flucht den Sohn begraben.

Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft fanden die Lambrechts in Treysa eine neue Heimat. Zielstrebig schuf sich Herbert Lambrecht in der Schwalm eine neue Existenz. 1952 legte er die Meisterprüfung ab und baute in Treysa einen Zimmereibetrieb auf.

Über zwei Legislaturperioden war er Stadtverordneter, von 1977 bis 1981 dann ehrenamtlicher Richter beim Sozialgericht in Marburg. 1984 ernannte ihn die Zimmerer-Innung des Schwalm-Eder-Kreises zum Ehrenobermeister. Vorher war er 15 Jahre lang ihr Obermeister. 1993 wurde er mit dem Ehrenbrief des Landes ausgezeichnet.

Sein offenes Wesen und sein Hang zur Geselligkeit ließen ihn viele Freunde gewinnen. 54 Jahre sang er im ersten Tenor der Liedertafel Treysa. Noch kurz vor seinem Tod sang er anlässlich seines 92. Geburtstages im Kreise seiner Kinder und Freunde Volkslieder, auch sein Lieblingslied „Wenn in stiller Stunde“ (Pommernlied).

Zusammen mit August Menzler und Karl Zulauf gründete Lambrecht 1959 den Karnevalsverein in Treysa. Enge Kontakte zu Frankenberg mit seinen „Burgnarren“ hatten zu dieser Neugründung geführt. Über 20 Jahre leitete das Gründungsmitglied mit Humor und unnachahmlicher Schlagfertigkeit die Sitzungen des Vereins.

Herbert Lambrecht wohnte 42 Jahre in Treysa, bevor er 1989 mit seiner Frau nach Frankenberg zog, wo seine beiden Töchter seit vielen Jahren leben. „Frankenberg ist meine dritte Heimat geworden“, sagte er. 2006 starb seine geliebte Frau.

Die Verbundenheit zu Treysa blieb ungebrochen. So lange es die Gesundheit erlaubte, nahm er an den Proben und Aufführungen seines Chores teil, ließ er keine Karnevalssitzung aus. Noch beim Kirmesumzug dieses Jahres saß Herbert Lambrecht unter den Zuschauern und erfreute sich an den prächtigen Bildern.

Leicht gekürzter Text: Karl Josef Freischem, Liedertafel Treysa

Quelle: HNA

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