Nachruf auf Rolf Pfalzgraf: Der "Chef" lebt nicht mehr

Das letzte Foto von Rolf Pfalzgraf, entstanden im Frühjahr bei der Hochzeit des Sohns.

Ziegenhain. Er erlebte noch seinen 76. Geburtstag, am 24. Oktober starb Rolf Pfalzgraf dann nach langer, schwerer Krankheit.

Seine Frau Isolde konnte ihn nach wochenlangem Reha-Aufenthalt und der anschließenden Heimpflege nicht mehr wie geplant heim in die Ziegenhainer Festung holen, wo ihn jedes Kind kannte.

„Chef“ wurde der gebürtige Berliner von vielen genannt. Der scheinbar immer fröhliche Kaufmann hörte das durchaus nicht ungern, berichtet seine Familie: Es erinnerte ihn an seine Jahre als Tuspo-Fußballtrainer. Die Spieler riefen ihn so, Trainer war der talentierte Torwart nach einem Schien- und Wadenbeinbruch geworden, die ihm den weiteren Einsatz auf dem Ziegenhainer Traditionsspielfeld, der Lämmerweide, verbot.

Bis ins hohe Alter aber gönnte er sich winters das Skifahren. Früh lehrte er seine Tochter Andrea und seinen Sohn Armin die Abfahrt auf Knüll, Eisenberg und Hoherodskopf. Später luden die Kinder ihn gern zum Ausflug in den geliebten Schnee ein, bis Alter und Krankheit den zweifachen Großvater trafen.

Hier finden Sie einen selbst geschriebenen Lebenslauf von Rolf Pfalzgraf (Pdf)

Rolf Pfalzgraf wurde am 10. Oktober 1935 als Sohn des Photochemikers Rudolf Pfalzgraf in Berlin-Nikolassee geboren. Im Krieg, 1943, zog die Familie nach Freiburg, dort besuchte er die Oberrealschule, bis der Vater 1948 nach Ziegenhain übersiedelte. Hier verließ er als 16-Jähriger die Schule und wurde, weil das 1811 gegründete Lebensmittelgeschäft seines Onkels, Heinrich Pfalzgraf, übernehmen sollte, Lehrling in der Firma Feinkost-Köhler in Treysa, Bahnhofstraße 23.

1954 wechselte er nach Wiesbaden in eine Filiale des Lebensmittelhandels Adolf Harth. (Seinen Lebenslauf von damals zeigen wir auf www.HNA.de/schwalmstadt.)

Ab 1955 stand Rolf Pfalzgraf dann unermüdlich im Laden an der Landgraf-Philipp-Straße gegenüber dem Kleinen Paradeplatz - wenn er nicht gerade Waren auslieferte. Nebenan hatte sein Vater Rudolf bis ins hohe Alter ein Fotogeschäft, an das sich ältere Schwälmer noch erinnern können.

Dessen Ladenfläche nahm später das Ehepaar Pfalzgraf hinzu, seit der Hochzeit 1966 arbeitete auch Ehefrau Isolde hinter dem wohlsortierten Verkaufstresen mit. Ein ausgesuchtes Angebot war den beiden wichtig, zu den Festtagen bot der Chef stets besonders Feines an. „Wir haben immer gearbeitet“, sagt die Ehefrau schlicht, und dass man sich trotz immer stärkerer Konkurrenz eben durchgeschlagen habe. Gern hätte ihr Mann das Geschäft bis ins Jahr des 200. Gründungstages offen gehalten.

Als er vor zwei Jahren krank wurde, rief er seine beiden Kinder und verfügte, dass er für sich eine Urnenbeisetzung im kleinen, bescheidenen Rahmen wünsche, es solle kein großes Aufhebens gemacht werden. Trotzdem werden viele alte Ziegenhainer am Freitag traurig vor seiner Asche stehen. Die Trauerfeier zur Urnenbeisetzung beginnt am 11. November um 14 Uhr in der Friedhofskapelle.

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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